Verhärtete Fronten? – Einige Gedanken zur Laienforschung in Archäologie und Denkmalpflege

Beim Lesen mancher Beiträge in den sozialen Netzwerken und bei einschlägigen Foren kann man schon den Eindruck gewinnen, die Kluft zwischen Laienforschern und Archäologen sei schier unüberwindlich. Aber entspricht dieses Abbild tatsächlich der Realität? Und falls ja, wie kann eine Änderung herbeigeführt werden mit der alle leben können? Und was kann jeder einzelne tun?

Ich habe mir daher überlegt, hier meine eigenen positiven Erfahrungen und meinen „Werdegang“ als Laienforscherin zu schildern. Ziel dieses Beitrags ist es, hoffentlich einige neue Impulse vermitteln zu können. Und er soll dazu anregen, einmal in eine komplett andere Richtung zu denken als bisher…

Meine eigenen Erfahrungen mit dem Thema

Ich hatte schon seit meiner Kindheit ein großes Interesse an Archäologie und Geschichte. Das ist etwas, was ich vermutlich mit ganz vielen Menschen teile. Die Motivation, mehr zu tun als Bücher zu lesen und Museen zu besuchen, kam erst Ende 2009. Ausschlaggebend war ein Artikel über einen ehrenamtlichen „Feldbegeher“ und seine Dokumentation von archäologischen Funden. Eine Begehung zur Entdeckung von Oberflächenfunden und von Befunden sowie die entsprechende Dokumentation – das war genau „mein Ding“. Also recherchierte ich im Internet und stieß dabei auf terraplana – Gesellschaft für Archäologie im Hessischen Ried. Bei terraplana kümmern sich Wissenschaftler und Ehrenamtliche sowie interessierte Bürger gemeinsam um die Archäologie der Region. Auf der Homepage wurden unter anderem auch Praxis-Workshops in der archäologischen Geländebegehung angeboten. Ich setzte mich mit dem 1. Vorsitzenden, Dr. Thomas Maurer, in Verbindung. Er lud mich spontan zu der Weihnachtsfeier ein, damit ich einige der Vereinsmitglieder kennenlernen konnte. Hier erhielt ich dann auch alle notwenigen Informationen – inklusive dem Kontakt zur HessenArchäologie, wo ich dann in 2010 meine erste Nachforschungsgenehmigung beantragt habe. Somit waren die wichtigsten Voraussetzungen geschaffen. Der nächste Schritt war, sich das das notwendige Know-how anzueignen. Dazu sollte man sich geeignete Publikationen besorgen und entsprechende Workshops und Vorträge besuchen.

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Arbeitsgebiet Hessisches Ried (Foto: Biggi Schroeder)

Der Aufbau eines Netzwerks

Netzwerke halte ich nach meiner persönlichen Erfahrung für sehr wichtig.

Mein bester und wichtigster Netzwerkpartner ist Dr. Rainer Schreg vom RGZM in Mainz, der auch unter Archaeologik bloggt. In 2011 machte ich einen Glasfund, den ich damals nicht bestimmen konnte. Er erklärte sich bereit, mir bei der Einordnung zu helfen. Wir blieben in Kontakt und er wurde für mich zum besten Coach hinsichtlich der Themen Dokumentation, mittelalterliche Keramik, Siedlungsarchäologie, Wüstungen etc.. Ihm habe ich kürzlich auch einen Blogpost gewidmet. Herzlichen Dank an ihn für die bisherige Unterstützung.

Hinsichtlich der Dokumentation von Funden mittels GPS und QGIS war und ist Prof. Dr. Kai Christian Bruhn von der FH Mainz mein wichtigster Coach. Unser Kontakt resultierte in einem ersten QGIS-Workshop an der FH Mainz. Und nicht zu vergessen: Dr. Anne Klammt – sie leitete im letzten Jahr den zweiten QGIS-Workshop.  Merci an euch beide!

Zudem möchte ich die beiden römischen Provinzial-Archäologen Dr. Jutta Zerres und Folkert Tiarks M.A. lobend erwähnen, die mir schon öfter bei der Einordnung von römischer Keramik geholfen haben. Auch dafür ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle!

Aus meiner Erfahrung resultierend kann ich jedem Ehrenamtlichen nur empfehlen, sich ein gutes Netzwerk innerhalb der archäologischen Wissenschaften und der Denkmalpflege aufzubauen. Ich denke, gegenseitiger Respekt ist die beste Basis für eine vertrauensvolle Kooperation. Damit es funktioniert, muss man erst einmal Vertrauen aufbauen. Und das kann man am besten, wenn man sich an die „Spielregeln“ hält. Dass es diese geben muss ist verständlich, denn hier geht es schließlich um den Umgang mit archäologischen Funden – gerade auch im Sinne von Kulturgutschutz.

Unsere Verantwortung beim Umgang mit archäologischen Funden

Bei einer Begehung – sei es mit oder ohne Sonde – geht es nicht darum, die Fundtüten mit möglichst vielen Artefakten zu füllen, sondern um eine anständige Dokumentation. Erst die Aufnahme der Fundkoordinaten mittels GPS (Einzelfundeinmessung), die Kartierung (beispielsweise mittels QGIS) sowie die entsprechenden Fundberichte machen diese Funde für die Wissenschaft tatsächlich verwertbar. Und genau das sollte das Ziel aller Laienforscher sein! Man sollte einfach versuchen, sein Hobby wissenschaftlich anzugehen, dann wird man auch von den Fachleuten ernst genommen. Es ist zugegebenermaßen mit viel Arbeit verbunden! Aber verantwortungsvoller Umgang mit archäologischen Hinterlassenschaften sollte jedem die Mühe wert sein. Und falls nicht: Es gibt ja auch noch andere Hobbys… 😉

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Ein Gedanke zu “Verhärtete Fronten? – Einige Gedanken zur Laienforschung in Archäologie und Denkmalpflege

  1. Martina 18. Januar 2016 / 11:32

    Danke für den schönen Beitrag

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