Stempelverzierungen auf merowingerzeitlichen Knickwandgefäßen

Die Art der Verzierung eines Gefäßes kann für die archäologischen Wissenschaften von großer Bedeutung sein, denn nicht selten lassen sich anhand der diversen Stempelverzierungen auf den Gefäßen einzelne Absatzgebiete der Töpfereien sowie auch die Handelswege der Ware nachvollziehen. Selbst eine zeitliche Einordnung ist – unter der Berücksichtigung weiterer Kriterien wie Scherbenbeschaffenheit und Form – möglich.

Im Laufe der Jahre habe ich bei regelmäßigen Begehungen von zwei Wüstungen ebenfalls schon einige dieser stempelverzierten merowingerzeitlichen Scherben gefunden – so auch jetzt wieder bei meiner Begehung vom 13. August 2017. Typischerweise ist diese Keramik der Merowingerzeit ja eher aus Grabfunden bekannt. Dennoch tauchen sie auch öfters im Fundmaterial der von mir begangenen ehemaligen Siedlungen auf. Einige dieser verzierten Scherben möchte ich nun hier vorstellen.

Die frühe Phase: Anfang des 6. Jhd. n. Chr.

Einige der Scherben meines Fundmaterials sind anhand bestimmter Kriterien der frühen Phase zuzuordnen. Da wären zum Beispiel Verzierungen zu nennen, welche mit einem sogenannten Einzelstempel angebracht wurden.

DSC03604
Randscherbe mit Einzelstempel (liegende S) und umlaufender Wulst unter dem Rand              (Foto: Biggi Schroeder)
DSC03590
Randscherbe mit Halbbogenstempel-Einzelstempel (Foto: Biggi Schroeder)
DSC03617
Wandscherbe mit Einzelstempel in Kreisform (Foto: Biggi Schroeder)

Anschlussphase: ab Mitte des 6. Jahrhundert n. Chr.

Im späteren Verlauf, etwa ab der Mitte des 6. Jhd. n Chr., traten dann Einzelstempel auch in Kombination mit Rollstempeln auf.

DSC03612
Wandscherbe mit halbbogenförmigem Einzelstempel in Kombination mit Rollstempelzier     (Foto: Biggi Schroeder)
DSC03633
Wandscherbe mit Rosettenstempel in Kombination mit mehrzeiligem Viereckrollstempel (Foto: Biggi Schroeder)
DSC03611
Wandscherbe mit umlaufender Wulst und einzeln gestempelten, senkrecht gestellten, paarigen Vertiefungen (Foto: Biggi Schroeder)

 

Im Verlauf des späten 6 Jhd. bis hin zum 7. Jhd. n Chr. tauchten dann verstärkt auschließlich mehrzeiligen Rollstempelverzierungen an den Gefäßen auf. Hier einige Beispiele aus meinem Fundspektrum.

Zum Schluss noch ein wichtiger Aspekt:  Funde und deren Dokumentation

Übrigens finden auch die Archäologen meine Fundstellen und die Funde sehr spannend – nicht zuletzt, weil ich stets eine saubere Dokumentation der Funde mitliefere. Diese ist deshalb so wichtig, weil erst dadurch jede einzelne Scherbe quasi eine „Herkunft“ erhält.

Meine Fundmeldung an die HessenArchäologie erfolgt übrigens immer erst am Ende eines Jahres. Der für meinen Bereich zuständige Archäologe schaut sich dann die Funde zusammen mit mir an. Diese kann ich im Anschluss dann wieder zuhause in meinen Fundkisten verstauen.

Danksagung
Mein Dank für die Unterstützung bei der zeitlichen Einordnung der Keramikfragmente geht an Priv. Doz. Dr. habil. Rainer Schreg (Betreiber des Blogs Archaeologik) sowie Prof. Frank Siegmund.

Advertisements

Glasperlenschmuck – Eine kunsthandwerkliche Tradition über die Jahrtausende

Schmuck galt schon in Zeiten der Vorgeschichte als kostbar und hatte über alle Epochen hinweg  einen besonderen Prestigewert. Auch Glasperlen dienten als Schmuck, entweder in Form von Ketten oder als Trachtenbestandteil. Die Glasperlenherstellung hatte ihren Ursprung im vor­geschichtlichen Europa bereits vor ca. 3.000 Jahren. Glasperlen finden sich daher im archäologischen Fundmaterial von Siedlungen und Gräbern der Bronze-, Eisen-, und Römerzeit bis hin zum Mittelalter.

Bei den Begehungen meiner mittelalterlichen Wüstungen finde ich auch heute noch Spuren dieser Schmucktradition. Zu meinem Lesefundspektrum gehören bislang 4 Glasperlen, welche ich über einen Zeitraum von ca. 3 Jahren bergen konnte. Um Perlen auf dem Acker zu erkennen, benötigt man neben guten Augen auch eine gewisse Portion Neugier. Zum Beispiel hätte ich – ohne diese Neugier – die weiße Perle mit einen Durchmesser von nur 5 Milimeter nicht als solche erkannt. Man hätte sie nämlich auch für einen kleinen Kieselstein halten können…

Nachfolgend stelle ich meine 4 Funde genauer vor. Die meergrüne und die weiße Perle konnten von ihrer Form her als merowingerzeitlich bestimmt werden. Die beiden kobaltblauen Perlenfragmente sind zeitlich nicht näher zu bestimmen. Von ihrer Form und Farbe her könnten sie vorgeschichtlich, römisch oder mittelalterlich sein.

Meergrüne Perle (merowingerzeitlich)

Die tönnchenförmige Perle ist aus opakem Glas. Dieses erscheint an der Oberfläche matt und rauh. Man kann aber die meergrüne Farbe noch deutlich an einigen Stellen erkennen. Sie hat einen Durchmesser von 1,2 cm und eine Höhe von 1 cm.

dsc02575
Am oberen Rand ist die ursprüngliche Farbe noch gut sichtbar. (Foto: Biggi Schroeder)
dsc02577
Die Glasperle im Profil  (Foto: Biggi Schroeder)

Weiße Perle (merowingerzeitlich)

Die Perle ist aus opakem Glas, welches an der Oberfläche matt erscheint. Sie hat einen Durchmesser von 0,5 cm und eine Höhe von 0,5 cm.

dsc02592
Die Form der Perle ist eher viereckig als rund (Foto: Biggi Schroeder)
dsc02593
Die Perle im Profil (Foto: Biggi Schroeder)

Kobaltblaue Perle (zeitlich nicht genauer bestimmbar)

Die kobaltblaue Perle ist aus transluzentem Glas, welches an der Oberfläche eine silbrig-glänzende Patina aufweist. Sie hat einen Durchmesser von 0,5 cm und eine Höhe von 0,5 cm.

dsc02584
Hier sieht man auch gut die silbrige Patina (Foto: Biggi Schroeder)
dsc02583
Die Bruchstelle der Perle (Foto: Biggi Schroeder)

Kobaltblaue Perle (zeitlich nicht genauer bestimmbar)

Die kobaltblaue Perle ist aus transluzentem Glas, welches nur eine geringe Patina erkennen läßt. Sie hat einen Durchmesser von 0,5 cm und eine Höhe von 0,5 cm.

dsc02585
Draufsicht (Foto: Biggi Schroeder)
dsc02587
Die Bruchstelle der Glasperle (Foto: Biggi Schroeder)

Herstellungstechnik der Glasperlen

Vielleicht ist es für den einen oder anderen noch interessant, wie die Glasperlen denn hergestellt wurden. Auf der Webseite der Archäologie Krefeld wird die Methode sehr anschaulich erklärt: Die Technik der Glasperlenherstellung

Glasperlendrehen als Experiment

Übrigens haben wir vor einigen Jahren bei terraplana mal als Experiment Perlen selbst gedreht. Zugegebenermaßen hatten wir keinen Glas-Schmelzofen, daher musste ein Campingkocher für den Schmelzvorgang herhalten 😉 Dennoch: Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.

dsc02594
Glasperlen aus eigener Herstellung – immerhin kam Material für eine komplette Kette zusammen. (Foto: Biggi Schroeder)

Literaturhinweise

Die folgenden Publikationen (oder Teile davon) kann man als PDF im Internet abrufen:

Magdalena Tempelmann-Maczynska, 1985: Die Perlen der römischen Kaiserzeit und der frühen Phase der Völkerwanderungszeit im mitteleuropäischen Barbaricum, Verlag Philipp von Zabern, Mainz

Maren Siegmann, Dissertation Göttingen 1998/99: Bunte Pracht – die Perlen der frühmittelalterlichen Gräberfelder von Liebenau, Kreis Nienburg, Weser, und Dörverden, Kreis Verden, Aller: Chronologie der Gräber, Entwicklung und Trageweise des Perlenschmucks, Technik der Perlen
Link zum Download des PDF auf der Webseite der DGUF

Martin Heck, Dissertation 2000: Chemisch-analytische Untersuchungen an frühmittelalterlichen Glasperlen.

Aktenzeichen „Warenart unbestimmt“…

Jeder Feldbegeher kennt das sicherlich: Man findet hin und wieder Rand-, Wand- Bodenscherben, die man nicht zweifelsfrei einer  bestimmten Warenart zuordnen kann. Im Fundbericht und auf dem Fundzettel beschreibe ich diese anhand der sichtbaren Merkmale so gut wie möglich und versehe sie mit dem Hinweis „Warenart unbestimmt“.

Bei dieser Scherbe, die ich bei einer Begehung im Mai 2014 entdeckt habe, handelt es sich um einen solchen Fund. Er fällt (bislang) in die Kategorie“ Warenart unbestimmt“, denn selbst Autopsien haben bislang keine Klärung gebracht. Vielleicht kann irgend jemand anhand des Beitrags „sachdienliche Hinweise“ auf die Identität der „unbekannten Scherbe“ geben.

DSC01779
Schauseite der Wandscherbe mit plastischer Wellen- und Rillenzier (Foto: Biggi Schroeder)

Beschreibung: Farbe mittelgrau, im Kern hellgrau, klingend hart gebrannter Scherben, breite und tiefe Riefen an der Innenseite, die Schauseite weist eine plastische Verzierung mit Wellenmuster und Rillen auf. Anhand des Verlaufs der Rillen könnte es sich um das Fragment eines Deckels handeln. Der Scherben weist nur wenige, mittelgrobe Magerungsbestandteile auf.

DSC01780
Innenseite mit tiefer, breiter Riefung (Foto: Biggi Schroeder)
DSC01784
Profil der Scherbe (Foto: Biggi Schroeder)

Von der Zeitstellung her würde ich eine grobe Datierung ins Spätmittelalter nicht ausschließen. Aber das muss erst mal pure Spekulation bleiben.

Vielleicht könnt ihr ja Licht ins Dunkel bringen. Ich freue mich auf entsprechende Hinweise zur möglichen Warenart!

 

 

 

Im Auftrag der HessenArchäologie unterwegs! – Ein Gastbeitrag für den LWL-Blog

Das LWL-Museum für Archäologie ist eine Institution, wenn es um die sehr anschauliche und moderne Präsentation der Geschichte Westfalens geht. Dazu trägt seit kurzem auch der LWL-Blog bei. Vor einigen Wochen wurde ich vom Redaktionsteam gefragt, ob ich einen Gastbeitrag für diesen Blog  schreiben würde. Dieser Bitte bin ich sehr gerne nachgekommen. Mein Beitrag wurde am 20. Mai publiziert und ist hier nachzulesen: Im Auftrag der HessenArchäologie unterwegs!

„Fieldwork wanted“ – Ein Erfahrungsbericht über die Teilnahme als Laie an archäologischen Ausgrabungen

Noch bevor ich mich in 2009 erstmals aktiv in der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflege engagierte, wollte ich wissen: Wie funktioniert eigentlich Archäologie in der Praxis und was passiert bei einer archäologischen Ausgrabung. Für die Suche nach einer Möglichkeit zur Teilnahme an einer Ausgrabung war das Internet die erste Anlaufstelle. Hier fand ich nach einiger Recherche ein Projekt, welches meinen Vorstellungen entsprach und welches ich zudem mit einem Urlaub verbinden konnte: Archaeology LIVE!

Archaeology LIVE!  

Meine „Grabungs-Premiere“ hatte ich dann im August 2008 mit der Teilnahme an dem Projekt „Archaeology LIVE“ in York (UK). Bei Archaeology LIVE handelt es sich um ein vom York Archaeological Trust (YAT) sowie von Teilnahmegebühren finanziertes Projekt. Es bietet Laien und Studenten gleichermaßen die Möglichkeit, praktische Erfahrungen in der Disziplin Archäologie zu sammeln. Die Ausbildung erfolgt durch Berufsarchäologen. Allerdings sollte man sehr gut Englisch können, denn die gesamte Ausbildung erfolgt durch englische Muttersprachler.

Ausgrabung „Römisches Bühnentheater in Mainz“

Nachdem ich meine erste Grabungserfahrung in Großbritannien sammeln durfte, interessierte mich naturgemäß wie eine Ausgrabung in Deutschland abläuft. Im Internet war damals die Teilnahme von Laien an der laufenden Ausgrabung des römischen Bühnentheaters in Mainz ausgeschrieben. In 2009 nahm ich Kontakt zum damaligen Grabungsleiter Thomas Dederer von der Direktion Landesarchäologie in Mainz auf. Er gab mir die Möglichkeit, an einigen Urlaubstagen an der Ausgrabung teilzunehmen. Von ihm habe ich auch sehr viel über die Grabungstechniken etc. lernen dürfen. Übrigens wurden damals die diversen Grabungskampagnen fast allesamt unter tatkräftiger Mithilfe von  interessierten Mainzer Bürgern durchgeführt.

Ausgrabung eines fränkischen Gräberfeldes in Mörstadt (Kreis Worms/Alzey)

Ebenfalls über die Direktion Landesarchäologie in Mainz – unter der Grabungsleitung von Dr. Ronald Knöchlein – nahm ich in 2011 für 2 Tage an der Ausgrabung eines fränkischen Gräberfeldes in Mörstadt teil. Es lag in der Natur der Sache, das ich es hier erstmals mit menschlichen Überresten zu tun hatte. Zudem war eine körperlich sehr anstrengende Grabung, denn an den beiden Tagen lag die Ausstentermperatur bei nahezu 40 Grad. Auch die Planen und Sonnenschirme konnten da nicht viel Linderung bringen… Dennoch war es eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

Geoprospektion des Weilerhügels

Aber nicht nur Grabungen, sondern auch die zerstörungsfreie Geoprospektion gehört zur archäologischen Geländearbeit. Im Jahr 2013 führte terraplana am Weilerhügel eine vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen sowie vom Grundstücksbesitzer genehmigte Prospektion durch, an der ich auch teilgenommen habe. Der Weilerhügel ist der Rest einer mittelalterlichen Niederungsburg des 11. und 12. Jahrhunderts, welche in der Gemarkung Hähnlein liegt. Unter der Leitung von Martin Posselt (Posselt & Zickgraf) nahmen ausschließlich Laien an der Geoprospektion teil. Auch dies war eine Erfahrung, die Laien das Verständnis für die Archäologie, Denkmalpflege und den Schutz von Kulturgütern näherbringen kann.

Weilerhügel
Teilnehmer der Geoprospektion in „Action“:  Biggi Schroeder, Martin Posselt, Jörg Lotter & Peter Schmidt (Foto: B. Schmidt)

Fazit: Es bieten sich für Laien einige Möglichkeiten der Teilnahme an Ausgrabungen und auch an Prospektionen. Ich möchte vorab noch nicht zu viel verraten, aber ich werde in meinem Blog in Kürze nochmals auf eine Auflistung hinweisen. Mehr will und darf ich noch nicht verraten… Es bleibt also spannend 😉