Mahlen für die Archäologie! – Bürgerwissenschaftler forschen im Langzeitprojekt zu römischen und keltischen Handdrehmühlen.

»Du kannst forschen«  – so heißt das spannende Citizen Science-Projekt des RGZM. Hier können interessierte Bürger in einem Langzeitexperiment zu keltischen und römischen Handdrehmühlen forschen. Aber was genau verbirgt sich dahinter? Das wollte ich genauer wissen, daher meldete ich mich für eine Teilnahme am 24.06. an.

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Römische Handdrehmühle im Römerbergwerk Meurin (Foto: Biggi Schroeder)

Treffpunkt war der Eingang des Römerbergwerks Meurin. Dort traf ich dann auch erstmals meine 4 Mitstreiter – allesamt Mitglieder der Kelten-Gruppe Touta Artia. Wir wurden von den beiden sehr netten Projektleiterinnen Dr. Martina Sensburg und Julia Weidemüller in Empfang genommen.

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Dr. Martina Sensburg (rechts) und Julia Weidemüller (links)      Foto: Biggi Schroeder

Zunächst gab es eine kurze Einführung in das Projekt. Im Anschluss hatten wir die Möglichkeit, die diversen Testmühlen sowie die Dokumentation in einem Testlauf auszuprobieren. Hinsichtlich der Dokumentation wurde z.B. Dauer, Umdrehungszahl, Gewicht aber auch die Menge des Mahlguts festgehalten. Auch die Erfassung individueller Daten der Teilnehmer (z.B. Geschlecht, Körpergröße, Energieverbrauch) fließt in die Auswertung mit ein.

Erst dann folgte das eigentliche Experiment. Dafür waren spezielle Handmühlen reserviert, welche noch quasi unbenutzt waren. Eine zuvor abgemessene Menge Dinkel diente als Mahlgut.

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Keltische Handdrehmühle mit Dinkel als Mahlgut (Foto: Biggi Schroeder)

Die Aufgaben der Teilnehmer wechselten im Rotationsprinzip bei allen Durchgängen des Experiments. So konnte jeder Teilnehmer jede Aktion 1 x durchführen. Jeder Durchgang dauerte 5 Minuten. Ein Teilnehmer betrieb die Handmühle während die anderen Teilnehmer die Dokumentation übernahmen. Festgehalten wurde immer die Anzahl der Umdrehungen der Mühle je Durchgang und Teilnehmer.

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Vorbereitungen für den nächsten Durchgang des Experiments (Foto: Biggi Schroeder)

Das fertige Mahlgut wurde anschließend gewogen. Schließlich wurde noch die Qualität des fertigen Mahlguts ermittelt. Dazu benutzten wir 3 Siebe mit unterschiedlicher Lochgröße. Mittels dieser ließ sich das Mahlgut in fein, mittelgrob und grob unterteilen. Jede dieser Mengen wurde erneut gewogen und dokumentiert. Somit war ein weiterer Vergleichsfaktor vorhanden, denn das entstandene Mahlgut war durchaus sehr unterschiedlich in der Qualität.

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Das entstandene Mahlgut wird zur Ermittlung der Qualität gesiebt. (Foto: Biggi Schroeder)

Mein persönliches Fazit:
Am meisten hat mich erstaunt, das es sehr gravierende Unterschiede bei den keltischen und römischen Mühlen hinsichtlich der Qualität des ausgeworfenen Mahlguts gab. Meiner Meinung war hierbei auch der Faktor Mensch ein Kriterium. Denn jeder einzelne Teilnehmer ist ja unterschiedlich in der Art und Weise, wie er den Mahlvorgang ausführt. Sicherlich hängt es aber noch von vielen weiteren Faktoren ab, die sich dann im Laufe dieses Langzeitexperiments wohl deutlicher ermitteln lassen.

Übrigens wurden Anmerkungen von uns Bürgerwissenschaftlern (zum Experiment und dem Ablauf) von beiden Projektleiterinnen dankbar aufgenommen und notiert. Sie betonten immer wieder, wie wichtig unsere Sichtweise und unsere Erfahrungen für das Experiment und den Ablauf seien. Für mich ist das definitiv Forschung auf Augenhöhe und ich sehe hier wirklich das Potenzial einer gemeinsamen, kontinuierlichen Weiterentwicklung der Fragestellungen.

Daher kann ich nur jedem Interessierten die Teilnahme empfehlen! Die Termine zur Anmeldung finden sich hier: Du kannst forschen / Termine  

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