Keramik im Scherbenschleier! Vom Umgang mit spätmittelalterlichen bis neuzeitlichen Lesefunden

Viele Feldbegeher neigen dazu, bei einer Begehung ausschließlich die „schönen“ und verzierten Scherben aufzunehmen sowie selektiv hinsichtlich der eigenen bevorzugten Zeitstellung zu agieren. Einige mir bekannte Personen sind gar der Meinung, dass ausschließlich die Randscherben eine Aussagekraft besitzen. Als Folge bleiben unscheinbar aussehende Wandscherben sowie auch spätmittelalterliche bis neuzeitliche Keramik – welche dem Scherbenschleier zuzuordnen ist – auf dem Acker zurück. Aber gerade eine konsequente und gute Dokumentation dieser Warenarten kann den Archäologen wichtige Aussagen hinsichtlich möglicher Veränderungen in den Landnutzungsstrategien und somit der Siedlungsentwicklung geben.

Was genau ist eigentlich ein Scherbenschleier?

Einen sehr guten Überblick – auch über die Bedeutung des Scherbenschleiers für die Forschung – liefert uns Rainer Schreg in seinem Blogpost „Scherbenschleier als Indikator für Landnutzungsstrategien“

Auch Tamara Ruchte, Larissa Schulz und Lukas Werther haben den äußerst interessanten Blogpost „Landnutzung und Siedlungsentwicklung im Umfeld des Karlsgrabens. Scherbenschleier als archäologische Quelle“ verfasst. Hierbei geht es um mehrere Kampagnen, in denen ein Team aus Studierenden und Ehrenamtlichen sehr große Ackerflächen systematisch begangen hat.

Gerade auch die Beschreibung der Methodik finde ich hierbei sehr spannend. Alle Fragmente (auch kleinste Teile) wurden systematisch und zentimetergenau mittels Differential-GPS eingemessen. Abgrenzbar gegen echten Siedlungsniederschlag wird das Fundmaterial übrigens nur durch eine vollständige Aufsammlung. Hier zählt also eher die Quantität als die Qualität. Die so gewonnenen Daten können zu einem besseren Verständnis der spätmittelalterlichen bis neuzeitlichen Landnutzung und Siedlungsgenese beitragen. Ein gutes Beispiel in diesem Zusammenhang ist die Mistdüngung: Zerbrochene Keramik wurde früher häufig auf dem Misthaufen entsorgt. Die Scherben gelangten dann – quasi als sekundärer Verlagerung – zusammen mit dem Dung auf die Felder.

Beispiele für keramisches Fundmaterial aus dem Scherbenschleier

Nachfolgend stelle ich einige der Keramikfunde aus dem Fundmaterial meiner Wüstungen vor, die dem Scherbenschleier zuzurechnen sind.

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Blau-graues Steinzeug diverser Produktionsstätten und Zeitstellungen – etwa zwischen 1650 bis 1800 n. Chr. (Foto: Biggi Schroeder)
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Untere Reihe & oben rechts: Fragmente vom Siegburger Trichterhalskrügen,  1675 n. Chr.  Oben limks: Hart gebrannte Irdenware rhein. Produktion – ca. 12-13. Jhd.                          (Foto: Biggi Schroeder)
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Scherben der Warenart „Jüngere graue Drehscheibenware“ (Foto: Biggi Schroeder)
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Kleinstfragment eines Siebeinsatzes (links unten) sowie Scherben der sogenannten  manganvioletten Ware (Foto: Biggi Schroeder)

Die Aussagekraft des Scherbenschleiers

Der Aussagekraft des Scherbenschleiers ist auch wichtig zur Abgrenzung echter Siedlungsaktivitäten der begangenen Flächen. Wichtig sind in dem Zusammenhang die Beobachtung und Dokumentation von Funden der jüngeren Vergangenheit zur Eingrenzung von Arealen mit Müllabladung.

Übrigens: Für Verteilungsanalysen sind Randscherben allein oft zu wenig. Eine grobe Einordnung nach Warenarten ist aber oft auch bei Wandscherben möglich.

 

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Verhärtete Fronten? – Einige Gedanken zur Laienforschung in Archäologie und Denkmalpflege

Beim Lesen mancher Beiträge in den sozialen Netzwerken und bei einschlägigen Foren kann man schon den Eindruck gewinnen, die Kluft zwischen Laienforschern und Archäologen sei schier unüberwindlich. Aber entspricht dieses Abbild tatsächlich der Realität? Und falls ja, wie kann eine Änderung herbeigeführt werden mit der alle leben können? Und was kann jeder einzelne tun?

Ich habe mir daher überlegt, hier meine eigenen positiven Erfahrungen und meinen „Werdegang“ als Laienforscherin zu schildern. Ziel dieses Beitrags ist es, hoffentlich einige neue Impulse vermitteln zu können. Und er soll dazu anregen, einmal in eine komplett andere Richtung zu denken als bisher…

Meine eigenen Erfahrungen mit dem Thema

Ich hatte schon seit meiner Kindheit ein großes Interesse an Archäologie und Geschichte. Das ist etwas, was ich vermutlich mit ganz vielen Menschen teile. Die Motivation, mehr zu tun als Bücher zu lesen und Museen zu besuchen, kam erst Ende 2009. Ausschlaggebend war ein Artikel über einen ehrenamtlichen „Feldbegeher“ und seine Dokumentation von archäologischen Funden. Eine Begehung zur Entdeckung von Oberflächenfunden und von Befunden sowie die entsprechende Dokumentation – das war genau „mein Ding“. Also recherchierte ich im Internet und stieß dabei auf terraplana – Gesellschaft für Archäologie im Hessischen Ried. Bei terraplana kümmern sich Wissenschaftler und Ehrenamtliche sowie interessierte Bürger gemeinsam um die Archäologie der Region. Auf der Homepage wurden unter anderem auch Praxis-Workshops in der archäologischen Geländebegehung angeboten. Ich setzte mich mit dem 1. Vorsitzenden, Dr. Thomas Maurer, in Verbindung. Er lud mich spontan zu der Weihnachtsfeier ein, damit ich einige der Vereinsmitglieder kennenlernen konnte. Hier erhielt ich dann auch alle notwenigen Informationen – inklusive dem Kontakt zur HessenArchäologie, wo ich dann in 2010 meine erste Nachforschungsgenehmigung beantragt habe. Somit waren die wichtigsten Voraussetzungen geschaffen. Der nächste Schritt war, sich das das notwendige Know-how anzueignen. Dazu sollte man sich geeignete Publikationen besorgen und entsprechende Workshops und Vorträge besuchen.

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Arbeitsgebiet Hessisches Ried (Foto: Biggi Schroeder)

Der Aufbau eines Netzwerks

Netzwerke halte ich nach meiner persönlichen Erfahrung für sehr wichtig.

Mein bester und wichtigster Netzwerkpartner ist Dr. Rainer Schreg vom RGZM in Mainz, der auch unter Archaeologik bloggt. In 2011 machte ich einen Glasfund, den ich damals nicht bestimmen konnte. Er erklärte sich bereit, mir bei der Einordnung zu helfen. Wir blieben in Kontakt und er wurde für mich zum besten Coach hinsichtlich der Themen Dokumentation, mittelalterliche Keramik, Siedlungsarchäologie, Wüstungen etc.. Ihm habe ich kürzlich auch einen Blogpost gewidmet. Herzlichen Dank an ihn für die bisherige Unterstützung.

Hinsichtlich der Dokumentation von Funden mittels GPS und QGIS war und ist Prof. Dr. Kai Christian Bruhn von der FH Mainz mein wichtigster Coach. Unser Kontakt resultierte in einem ersten QGIS-Workshop an der FH Mainz. Und nicht zu vergessen: Dr. Anne Klammt – sie leitete im letzten Jahr den zweiten QGIS-Workshop.  Merci an euch beide!

Zudem möchte ich die beiden römischen Provinzial-Archäologen Dr. Jutta Zerres und Folkert Tiarks M.A. lobend erwähnen, die mir schon öfter bei der Einordnung von römischer Keramik geholfen haben. Auch dafür ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle!

Aus meiner Erfahrung resultierend kann ich jedem Ehrenamtlichen nur empfehlen, sich ein gutes Netzwerk innerhalb der archäologischen Wissenschaften und der Denkmalpflege aufzubauen. Ich denke, gegenseitiger Respekt ist die beste Basis für eine vertrauensvolle Kooperation. Damit es funktioniert, muss man erst einmal Vertrauen aufbauen. Und das kann man am besten, wenn man sich an die „Spielregeln“ hält. Dass es diese geben muss ist verständlich, denn hier geht es schließlich um den Umgang mit archäologischen Funden – gerade auch im Sinne von Kulturgutschutz.

Unsere Verantwortung beim Umgang mit archäologischen Funden

Bei einer Begehung – sei es mit oder ohne Sonde – geht es nicht darum, die Fundtüten mit möglichst vielen Artefakten zu füllen, sondern um eine anständige Dokumentation. Erst die Aufnahme der Fundkoordinaten mittels GPS (Einzelfundeinmessung), die Kartierung (beispielsweise mittels QGIS) sowie die entsprechenden Fundberichte machen diese Funde für die Wissenschaft tatsächlich verwertbar. Und genau das sollte das Ziel aller Laienforscher sein! Man sollte einfach versuchen, sein Hobby wissenschaftlich anzugehen, dann wird man auch von den Fachleuten ernst genommen. Es ist zugegebenermaßen mit viel Arbeit verbunden! Aber verantwortungsvoller Umgang mit archäologischen Hinterlassenschaften sollte jedem die Mühe wert sein. Und falls nicht: Es gibt ja auch noch andere Hobbys… 😉

Ehrenamt in Archäologie und Bodendenkmalpflege

Eine Bürgerbeteiligung auf ehrenamtlicher Basis in der Archäologie und Denkmalpflege ist richtig und wichtig! Es gibt vielfältige Möglichkeiten sich zu engagieren. Dazu zählen vor allem Feldbegehungen (Oberflächensurveys) inklusive der Dokumentation von Funden, Baubeobachtungen oder gar eine Teilnahme an einer archäologischen Ausgrabung.

Archäologische Grabung am Wellberg bei Pfungstadt unter Beteiligung von Ehrenamtlichen des Vereins terraplana sowie von Studierenden der Goethe-Universität Frankfurt/M. (Foto: Biggi Schroeder)

Wer Interesse an den genannten Themenfeldern hat, dem empfehle ich den direkten Kontakt zu den jeweiligen Ansprechpartnern zu suchen. Nachfolgend habe ich daher einige Links zu den entsprechenden Webseiten zusammengestellt. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit… 😉

Landesdenkmalpflege Baden-Württemberg

http://www.denkmalpflege-bw.de/geschichte-auftrag-struktur/die-beteiligten-stellen-sich-vor/ehrenamtlich-beauftragte.html

Landesarchäologie Mecklenburg-Vorpommern

http://www.kulturwerte-mv.de/cms2/LAKD1_prod/LAKD1/de/Landesarchaeologie/Ehrenamtliche_Mitarbeit/Bodendenkmalpflege/Weiterbildungslehrgang_fuer_ehrenamtliche_Bodendenkmalpfleger/index.jsp

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

http://www.blfd.bayern.de/denkmalerfassung/denkmalliste/ehrenamt/

HessenArchäologie

http://www.hessen-archaeologie.de/Ehrenamt/ehrenamt.html

LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland

http://www.denkmalpflege.lvr.de/de/service/infos_fuer_ehrenamtliche/infos_fuer_ehrenamtliche_1.html

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz – Direktion Landesarchäologie Mainz

http://www.archaeologie-mainz.de/

Ministerium für Bildung und Kultur / Landesdenkmalamt Saarland

http://www.saarland.de/47308.htm

Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Sachsen-Anhalt

http://www.lda-lsa.de/landesamt_fuer_denkmalpflege_und_archaeologie/ehrenamtliche_mitarbeiter/

Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein

http://www.schleswigholstein.de/DE/Landesregierung/ALSH/Service/Zertifizierung/zertifizierungskurse.html

Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie

http://www.thueringen.de/th1/tsk/kultur/denkmalpflege/denkmalpflegethueringen/struktur/ehrenamt/index.aspx

LWL-Archäologie für Westfalen

https://www.lwl-archaeologie.de/archaeologische-denkmalpflege

Keramik des Früh- bis Hochmittelalters: Die ältere gelbe Drehscheibenware

Bei der Begehung meiner beiden Fundstellen im Raum Groß-Gerau treffe ich öfter einmal auf Scherben der älteren, gelben Drehscheibenware. Das veranlasst mich zu der Frage: Warum tauchen bestimmte mittelalterliche Warenarten, wie beispielsweise die ältere gelbe Drehscheibenware“ des Typs Kirchhausen“, im Fundspektrum der Wüstungen auf? Das lässt sich sicher nicht abschließend beantworten. Eines steht jedoch fest: Hinsichtlich der Verbreitung mittelalterlicher Import-Keramik im hessischen Ried ist anzunehmen, dass diese durch die günstige Verkehrslage der Handelswege – zu Fluss und über Land – beeinflusst wurde.

Ein Blick in die Siedlungsgeschichte des Raumes Trebur/Astheim während des Früh- und Hochmittelalter macht deutlich, dass die ehemals von den Römern besiedelten Flächen im Früh- und Hochmittelalter von den Merowingern und Karolingern weitergenutzt wurden. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass sich heute noch Spuren der ehemaligen Siedlungs- und Bestattungsplätze auch in Form von zerscherbter Keramik an der Oberfläche der Äcker zeigen.

Eine kurze Zusammenfassung zu der Geschichte Trebur-Astheims bietet auch die Webseite der Eugen-Schenkel-Stiftung: http://www.eugen-schenkel-stiftung.de/html/archaeologie/mittelalter.htm

Die ältere, gelbe Drehscheibenware

Einen guten Überblick zu der Warenart bietet beispielsweise die Webseite der Uni Tübingen mit der Vergleichssammlung des Institutes für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters. Hier gibt es unter anderem auch Zeichnungen, welche die einzelnen Gefäßtypen darstellen. Und man bekommt eine Vorstellung davon, wie die Gefäße einst ausgesehen haben: http://www.ufg-db.uni-tuebingen.de/sammlung-ma/warenarten/wa2.php

Die einzelnen Phasen der älteren, gelben Drehscheibenware

Typ Roeschwoog (erstes Viertel des 7. Jhd.)
Die chronologische Stellung dieser ältesten Formen der älteren gelben Drehscheibenware ist aufgrund der unlängst publizierten Befundsituation im benachbarten unterelsässischen Roeschwoog bekannt. Dort gelang es dank Dendrodaten von Hölzern aus einem Brunnen die früheste Phase der älteren gelben Drehscheibenware im ersten Viertel des 7. Jahrhunderts. zu verankern.1

Typ Kirchhausen (Spätes 7. Jhd. bis Anfang 9. Jhd.)
Relativ eindeutig erkennbar ist der „Typ Kirchhausen“ unter anderem an seiner Verzierung. Einige Varianten davon zeigen diese Fotos:

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Die Verzierung kann auch in Form von breiten, tiefen Riefen an der Gefäßoberfläche in Erscheinung treten, manchmal auch in Kombination mit einer Rollstempelzier.

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Scherbe des Typs Kirchhausen mit breiter Riefung an der Oberfläche. (Foto: Biggi Schroeder)
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2 Wandscherben des Typs Kirchhausen. Hier zeigt sich, welches Farbspektrum bei dem oxidierenden Brand entstehen kann. Es können sogar orange und rötliche Farbtöne entstehen. (Foto: Biggi Schroeder)

Meist wirkt die Scherbenoberfläche wie aufgeplatzt. Das kommt daher, weil die teils sehr groben Bestandteile der Magerung durchstoßen werden.

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Wandscherbe des Typs Kirchhausen mit Rollstempeldekor im Wolfszahnmuster. Links oben, am Rand der ersten Rollstempelreihe, sieht man schön die groben, roten Magerungsbestandteile. (Foto: Biggi Schroeder)

Ein weiteres Erkennungsmerkmal sind die waagrecht ausgebogenen, oft spitz ausgezogenen Ränder der Gefäße. 2

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Links: Randscherbe mit waagerecht ausgezogenem Rand und Rollstempeldekor. Rechts: Wandscherbe mit Wellenzier. (Foto: Biggi Schroeder)


Typ Runder Berg (Phase 9. Jhd. bis 10. Jhd.)
Diese Warenart wird durch verdickte, häufig kantige und innen leicht gekehlte Schrägränder und durch das Fehlen jeglicher Verzierung gekennzeichnet. 3

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Diese Randscherbe würde eigentlich sehr gut dem „Typ runder Berg“ entsprechen, wäre da nicht die Verzierung unterhalb des Randes. Daher kann es sich hierbei möglicherweise um eine „Übergangswarenart“ handeln. (Foto: Biggi Schroeder)
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Hier noch die zuvor abgebildete Scherbe im Profil. (Foto: Biggi Schroeder)


Typ Jagstfeld (Phase Anfang 11. Jhd. bis Mitte 12. Jhd.)

Die Ränder des Typs Jagstfeld besitzen eine kantige, nach innen abgeschrägte und meist leicht gekehlte Randlippe. 4

TIPP:
  Hier noch der Hinweis auf einen Beitrag von Rainer Schreg zur mittelalterlichen Keramik aus Geislingen, den er in seinem Blog Archeologik veröffentlicht hat. Er beschreibt darin u.a. auch die ältere gelbe Drehscheibenware: http://archaeologik.blogspot.de/2011/12/mittelalterliche-keramik-aus-geislingen.html

Quellenangaben:
1          Uwe Gross, Transitionen – Übergangsphänomene bei südwestdeutschen
Keramikgruppen des frühen und hohen Mittelalters, in: Arnold, Susanne; Damminger, Folke; Gross, Uwe (Hrsgg.): Stratigraphie und Gefüge. Beiträge zur Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit und zur historischen Bauforschung. Festschrift für Hartmut Schäfer zum 65. Geburtstag. Esslingen 2008, S. 142
urn:nbn:de:bsz:16-artdok-6636

2 – 4    Rainer Schreg, Keramik aus Südwestdeutschland. Eine Hilfe zur Beschreibung, Bestimmung und Datierung archäologischer Funde vom Neolithikum bis zur Neuzeit. Lehr- und Arbeitsmaterialien zur Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit, Tübingen 1998, (unveränderter Nachdruck der 2. Auflage, 1999), S. 206-208

Workshop: Einführung in die Magnetometerprospektion

Die HessenArchäologie bietet jährlich ein umfangreiches Weiterbildungsangebot für die ehrenamtlich in der Denkmalpflege Tätigen an. Ganz besonders spannend fand ich den gestrigen Workshop mit dem Thema: Einführung in die Magnetometerprospektion. Geleitet wurde der Workshop von Patrick Mertl M.A.. Er ist Archäologe am Institut für Vor- und Frühgeschichte der Johannes-Gutenberg Universität in Mainz.

Der Theorieteil

In der sehr inspirierenden Umgebung der Bibliothek vom Schloss Biebrich in Wiesbaden fand der theoretische Teil des Workshops statt. Wir lernten zunächst, dass man mit einer Magnetometerprospektion das durch Bodeneingriffe veränderte Geomagnetfeld der Erdoberfläche messen, und die Daten dann in Form von Graustufenbildern dargestellt werden können.

Patrick Mertl stellte uns diverse Anwendungsbeispiele der Prospektion vor. So bekamen wir einen guten Überblick über die Möglichkeiten, aber auch über die Grenzen von geophysikalischen Untersuchungen. Anhand diverser Fallbeispielen erklärte er die häufig damit verbundene Problematik bei der Interpretation der Daten.

Der Praxisteil

Nachdem wir die nahegelegene Fundstelle erreicht hatten, wurde zunächst das Messgerät (Magnetometer) „einsatzbereit“ gemacht. Der Zusammenbau des „Schiebesystems“ und die Befestigung der Stabsonden an dem Gerät gingen relativ zügig.

Zusammenbau des Magnetometers (Foto: Rüdiger von Alkier)
Zusammenbau des Magnetometers (Foto: Rüdiger von Alkier)

Die zu messende Fläche wurde nun vorbereitet, indem sie unter dem Einsatz von Holzpflöcken und Maßbändern eingeteilt wurde. Die eigentliche Messung erfolgte nun entlang der mit dem Maßband festgelegten Bahnen. Die so generierten Daten müssen im Anschluss noch prozessiert werden.

Messung entlang der Markierungen (Foto: Rüdiger von Alkier)
Messung entlang der Markierungen (Foto: Rüdiger von Alkier)

Ein weiteres Highlight war der Einsatz einer sogenannten Drohne für die Luftbildaufnahmen der Fundstelle. Zudem gab es dann noch ein Gruppenfoto der Kursteilnehmer aus der Vogelperspektive.

Die Kursteilnehmer aus der Vogelperspektive (Foto: Patrick Mertl)

Das Ergebnis

Nach der erfolgten Verarbeitung der Daten verkündete Patrick Mertl das offizielle Endergebnis: Die Darstellung auf dem Graustufenbild ist wolkig aber gleichmäßig. Es zeigt diverse Anomalien, die sich auf bestimmte Bereiche konzentrieren. Darunter ist auch eine größere Anomalie, eventuell eine Grube. Spannend ist auch, dass sich der ehemalige Bachlauf schön abzeichnet. In einem anderen Bereich kann man sehr schön das weitgehende Ende einer Siedlung, also ein Auslaufen der Siedlungsaktivitäten, erkennen.

Fazit:
Ein absolut spannender Workshop, dessen Inhalt von Patrick Mertl exzellent vermittelt wurde.

Tipp:
Patrick Mertl machte uns auch die von Ralf Hesse vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg entwickelte, kostenfreie Lidar Visualisation Toolbox (LiVT) aufmerksam.

Ralf Hesse: Lidar-Anwendung in der Archäologie: Grundlagen, Visualisierung und Interpretation

Link: http://www.academia.edu/8603039/Lidar-Anwendung_in_der_Arch%C3%A4ologie_Grundlagen_Visualisierung_und_Interpretation

Merowingerzeitliche Keramik

Die merowingerzeitliche Keramik ist vorwiegend aus Grabfunden bekannt. Die Grabkeramik diente der Aufbewahrung von Speise- oder Trankbeigaben, dementsprechend überwiegen Töpfe und Flaschen oder Kannen.1)
Formentechnisch gilt der Knickwandtopf als Hauptform der merowingerzeitlichen Keramik. Dabei handelt es sich nicht – wie oft vermutet  – um eine reine Grabkeramik.  Inzwischen konnten Siedlungsgrabungen den Nachweis erbringen, das Knickwandgefäße durchaus auch Bestandteil des Alltagsgeschirrs der Lebenden waren.

Die Warenarten

Knickwandtöpfe gehören eigentlich 2 Warenarten an, einer reduzierend gebrannten sorgfältig geglätteten und fein gemagerten Drehscheibenware und eben der rauhwandigen Drehscheibenware.2)

Nachfolgend einige Fotos der Lesefunde meiner Wüstungen im Hinblick auf die Differenzierung zwischen den beiden Warenarten.

Reduzierend gebrannte, geglättete Drehscheibenware

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Die hier dargestellten Scherben von Knickwandgefäßen gehören der Warenart „reduzierend gebrannte, geglättete Ware“ an. (Foto: B. Schroeder)


Rauhwandige Drehscheibenware

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Die hier dargestellten Scherben stammen vermutlich ebenfalls von Knickwandgefäßen und gehören der Warenart „rauhwandige Ware“ an. (Foto: B. Schroeder)

Die hier vorgestellten Warenarten sollen lediglich einen kurzen Überlick über die Warenarten im Fundspektrum meiner Lesefunde wiedergeben. Für weitergehende Informationen empfehle ich jeweils die im Quellennachweis genannte Literatur.

Quellenachweis:

1). Rainer Schreg, Keramik aus Südwestdeutschland, Verlag des Vereins für Archäologie des Mittelalters, Schloss Hohentübingen (Tübingen 1998) S. 193

2). Rainer Schreg, Keramik aus Südwestdeutschland, Verlag des Vereins für Archäologie des Mittelalters, Schloss Hohentübingen (Tübingen 1998) S. 194

Workshop Geodaten: Bodendenkmale erfassen, verwalten und kartieren mit GPS und QGIS

Viele der ehrenamtlich in der Bodendenkmalpflege Tätigen nutzen inzwischen ein GPS-Gerät zur Feststellung der einzelnen Fundkoordinaten. Um die ermittelten Koordinaten wissenschaftlich verwertbar zu machen, steht ihnen mit QGIS ein freies und kostenloses Geoinformationssystem zur Erfassung, Verwaltung und Darstellung dieser raumbezogenen Daten zur Verfügung.

Um den an dieser Thematik interessierten Ehrenamtlichen den Einstieg in die Materie zu erleichtern, fand erstmals am 12. April 2014 der Workshop „Ehrenamtliche Bodendenkmalpflege mit QGIS 2.0“ statt. (Interner Link: https://scherbensteinewuestungen.wordpress.com/2015/06/08/re-blogged-ehrenamtliche-bodendenkmalpflege-mit-qgis-2-0/). Dieser Workshop war der beste Beweis dafür, wie erfolgreich eine gute Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und ehrenamtlich engagierten Bodendenkmalpflegern funktionieren kann!

Der Praxis-Workshop
Der von den damaligen Kursteilnehmern gewünschte, primär praxisorientierte Workshop fand nun am 13. Juni 2015 unter der Leitung von Anne Klammt statt. Unterstützt wurde sie dabei von Kai-Christian Bruhn, dem Leiter des ersten Workshops und Florian Thiery. Beide arbeiten am i3mainz – Institut für raumbezogene Informations- und Messtechnik an der Hochschule Mainz.

Teilnehmer am QGIS-Workshop m i3mainz im Juni 2015
Die 7 Teilnehmer verfügten nach Auffassung von Anne Klammt (rechts oben im Bild) bereits über erstaunlich gute Kenntnisse der Materie.

Zum Einstieg wurde der Umgang mit Layern aus Geodatenbrowsern am Beispiel des Bayern-Atlas gezeigt. Diese Layer haben einen räumlichen Bezug und können somit in Geoinformationssystemen weiterverarbeitet werden. Die zweite Aufgabe umfasste das Arbeiten mit Geodaten, welche in unterschiedliche Formate gebracht wurden (.kml- und Shape-Dateien). Die erstellten Polygone eigneten sich besonders, um daran das Berechnen von Flächen zu üben. Vertieft wurde in weiteren Übungen das Einbinden von Luftbildquellen, die Verwendung der unterschiedlichen Koordinatensystemen (geographisch / metrisch) sowie der Umgang mit Vektordaten am Beispiel des eigenen GPS-Gerätes. Diese Rohdaten können problemlos in QGIS geladen und dort – etwa als Kartierung – weiterverarbeitet werden.

Fazit: Die Kursleiterin sowie die Kursteilnehmer waren am Ende sichtlich begeistert von den gemeinsam erarbeiteten Resultaten. Die entspannte Atmosphäre trug ebenfalls zu einem guten Gelingen der Veranstaltung bei.

Tipp: Anne Klammt hat u.a. Publikationen zum Thema GIS bei Academia.edu veröffentlicht: http://independent.academia.edu/AnneKlammt

Dieser Workshop war eine Kooperation von:
terraplana – Gesellschaft für Archäologie im Hessischen Ried e.V.
www.terraplana.de
HessenArchäologie http://www.hessen-archaeologie.de/
i3mainz – Institut für raumbezogene Informations- und Messtechnik http://i3mainz.hs-mainz.de/

Re-blogged: Ehrenamtliche Bodendenkmalpflege mit QGIS 2.0

Ein Re-blog meines Gastbeitrags vom 24. April 2014 – publiziert auf Archaeologik (http://archaeologik.blogspot.de/), dem  Wissenschaftsblog von Dr. Rainer Schreg

Ehrenamtliche Bodendenkmalpflege mit QGIS 2.0

Ein Gastbeitrag von Biggi Schroeder

In der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflege ist die exakte Dokumentation der Funde und Befunde extrem wichtig. Dazu gehört auch die mobile Erfassung (Einzelfund-Einmessung) der Fundpunkte per GPS-Handheld. Zur Weiterverarbeitung dieser Geodaten steht den Ehrenamtlichen mit QGIS 2.0 eine benutzerfreundliche, kostenfreie Open-Source-Anwendung zur Verfügung, welche die Dokumentation von archäologischen Funden qualitativ auf ein höheres Level stellt. Erlernen kann es im Prinzip jeder, der das notwendige Interesse mitbringt. Es stehen diverse Möglichkeiten zur Verfügung, sich in die Materie einzuarbeiten.
Einzelfundeinmessung gehört heute zu
den Grundprinzipien archäologischer
Geländearbeit. QGIS ermöglicht es auch
den ehrenamtlichen Mitarbeitern ihre Funde
zu kartieren (Foto: B. Schroeder)

Der Workshop

Als ehrenamtliche Mitarbeiterin des Landesdenkmalamtes Hessen bin ich seit 2009 – mit der dazu erforderlichen Nachforschungsgenehmigung – aktiv in der Bodendenkmalpflege tätig. Um die bei den Feldbegehungen gesicherten Funde und Befunde zu kartieren, habe ich bis vor einem Jahr die Anwendung „Hessenviewer“ genutzt. Die Benutzung war zum Teil recht umständlich und die Ergebnisse waren nicht immer zufriedenstellend. Rainer Schreg war es, der mich damals auf die Idee brachte, eine OpenSouce GIS-Anwendung für die Zwecke der Kartierung zu nutzen. Ich entschied mich nach einiger Recherche für die Installation der Software QGIS (Version 1.7). Nach ersten „Gehversuchen“ und vielen offenen Fragen stieß ich durch Zufall auf die fachlich orientierte facebook-Gruppe „Archäologie und GIS“. Hier kam ich erstmals mit Kai-Christian Bruhn, Professor für Informations- und Messtechnik in der Archäologie an der  FH Mainz,  in Kontakt, der spontan anbot, mir mit einem Crash-Kurs den Einstieg zu erleichtern. So entstand später auch die Idee zu einem Workshop für Ehrenamtliche, welcher unter seiner Leitung am 12. April erstmals an der an der FH Mainz (Geoinformatik & Vermessung) veranstaltet wurde. Unterstützt wurde er von Tobias Kohr und Thomas Engel, die als wissenschaftliche Mitarbeiter am i3mainz, Institut für raumbezogene Informations- und Messtechnik an der FH Mainz diverse Forschungsprojekte im Bereich Archäologie und GIS durchführen. Der Workshop war eine Veranstaltung von terraplana in Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege, Wiesbaden und der i3mainz -Institut für raumbezogene Informations- und Messtechnik, Fachhochschule Mainz.


Ehrenamtliche Bodendenkmalpflege mit QGIS

Die Motivation der 11 Teilnehmer war recht einheitlich: Vorhandenes Grundwissen zu ergänzen und zu erlernen, wie man QGIS 2.0 möglichst effektiv für die Erfassung, Verwaltung und Kartierung von Geodaten, speziell für die eigene Fundverwaltung nutzen kann.
Zu Beginn des Workshops erklärte Kai-Christian Bruhn, er verstehe sich an diesem Tag ebenfalls als Ehrenamtlicher, denn die Entwicklung und Verbreitung von Open Source Software wie QGIS 2.0 habe viel mit ehrenamtlichen Engagement gemeinsam. So vermittelte er uns im Laufe der folgenden 7 Stunden zunächst die notwendigen Grundlagen zu QGIS und Geodaten allgemein. Im Folgenden bekamen wir Einblicke in die Themenbereiche Geometrie, Topologie, Thematik, Semantik und Dynamik von Geodaten sowie Koordinatenbezugssystemen, Geodatenformaten und den messtechnischen Grundlagen der Erfassung per GPS. Die praktischen Übungen waren geprägt vom Einbinden von Geodiensten, der Vektorisierung von Geodaten und der Georeferernzierung von Kartenmaterialien. Zum Schluss wurde gezeigt, wie man die Daten dann in einer Druckzusammenstellung anschaulich darstellen kann. Jeder von uns bekam den Link zu der von Prof. Bruhn erstellten Präsentation, welche neben den behandelten Themen eine Vielzahl an nützlichen Links und Tipps enthielt.
Diese Präsentation steht auch online:

 Am Ende bleibt festzuhalten: Die Erwartungen der Teilnehmer an den Workshop wurden erfüllt! Da allerdings die praktischen Übungen aus Zeitgründen etwas zu kurz kamen, wünschten sich alle Teilnehmer einen Folgekurs.

Zum Umgang mit archäologischen Funden gehört eben nicht nur die Geländearbeit, sondern auch deren Dokumentation. Kostenlose GIS-Programme ermöglichen es heute auch dem Ehrenamtlichen, Funddaten so aufzuzeichnen, dass sie wissenschaftlich auch tatsächlich verwertbar sind.

Ausdrücklicher Dank für die Unterstützung geht nochmals an Kai-Christian Bruhn!

Biggi Schroeder ist ehrenamtliche Mitarbeiterin der HessenArchäologie und macht regelmäßige Begehungen auf mittelalterlichen Wüstungen. Sie hat den Workshop mit Kai-Christian Bruhn als eine Veranstaltung des Vereins terraplana organisiert, dessen Vorstand sie angehört.

 

Warum überhaupt bloggen?

Warum als Laie über Archäologie und Denkmalpflege bloggen?
Der Blog soll in erster Linie dazu dienen, die Dinge, welche mich im Rahmen meiner Nachforschungen beschäftigen, zu dokumentieren. Vielleicht ähnlich wie in einem Tagebuch. Aber auch aktuelle Themen aus dem Bereich Kulturgüterschutz & Denkmalpflege werden hier einen Platz haben.

Und sonst?
Als ehrenamtliche Mitarbeiterin der HessenArchäologie führe ich im Rahmen des „Projektes Siedlungsarchäologie“ genehmigte Nachforschungen durch, wie etwa die regelmäßige Begehung mittelalterlichen Wüstungen. Dazu gehört auch die Dokumentation (Einzelfundeinmessung per GIS, Kartierung und Fundbericht) von Funden und Befunden.