Auf den Spuren der Mayener Keramik – Ein Tag zwischen aktuellen Forschungen und archäologischen Experimenten.

Keramik gilt als eine der wichtigsten archäologischen Quellen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass gerade die Mayener Ware mit ihrer über 2000jährigen, fast kontinuierlichen Produktion am Standort Mayen für die archäologische Forschung von großer Bedeutung ist. Den Beginn der Produktion vermutet man bereits in der 1. Hälfte des 1. Jhd. v. Chr., das Ende etwa zwischen den Jahren 1941-1943.

Bei meinen Feldbegehungen habe ich im Laufe der Jahre zahlreiche Keramik-Fragmente geborgen, die anhand verschiedener Kriterien für eine Provenienz Mayen sprechen würden. Aber ich wollte es genauer wissen! So kontaktierte ich Dr. Lutz Grunwald vom Kompetenzbereich Vulkanologie, Archäologie und Technikgeschichte des RGZM mit der Frage, ob er sich meine Funde einmal anschauen könnte. Er war gerne dazu bereit, und so machte ich mich am 11. Januar auf den Weg nach Mayen. Dort wurde ich äußert nett empfangen und hatte das Vergnügen neben Dr. Grunwald auch Dr. Michael Herdick, Dr. Stefan Wenzel und Katrin Heyken M.A. bei einer netten Frühstücksrunde näher kennenzulernen.

Autopsie meiner Funde

Nach den kulinarischen Freuden gab es im Nebenraum sozusagen das Dessert: Auf einem Tisch lagen bereits Originalfunde der Mayener Ware in chronologischer Reihenfolge. Anhand dieser Scherben erklärte Dr. Grunwald die einzelnen Merkmale und wies auf Besonderheiten in der jeweiligen Beschaffenheit hin. Das war äußerst spannend für mich, denn Keramik ist etwas, was man nicht ausschließlich über Beschreibungen und Zeichnungen erfassen kann. Ich finde, ein Vergleichsstück in den Händen zu halten ist besser als jede Publikation.

Nach diesem praktischen Exkurs schaute Dr. Grunwald sich als nächstes meine Scherben genauer an. Gerade die Bruchstellen waren für ihn interessant, denn mittels einer Lupe kann man auch kleinste Magerungspartikel erkennen. Diese können zusätzlich die Herkunft der Keramik untermauern.

Das Fazit seiner Autopsie: Bei 3 Fragmenten schloss er eine Herkunft aus Mayen aus. Hierbei handelt es sich vermutlich um eine lokal in Hessen produziert Ware. Dennoch ist bei immerhin 45 Scherben von einer Mayener Provenienz auszugehen. Ein Großteil davon ist der „Klingend hart gebrannten Mayener Ware“ des späten 8./9. Jhd. n. Chr. zuzuordnen.

Labor für experimentelle Archäologie

Im Rahmen meines Besuchs durfte ich mir auch das Labor für Experimentelle Archäologie anschauen. Hier erwartete mich bereits Dr. Michael Herdick, der Leiter des Kompetenzbereichs Experimentelle Archäologie. Bei der anschließenden Führung durch die Räumlichkeiten erfuhr ich dann einiges über die technische Ausstattung, die Arbeitsweisen und auch über die sehr hohen Sicherheitsstandards. Das Labor ermöglicht Studierenden und Forschern die Durchführung von Experimenten in den Segmenten Grobschmiedehandwerk, Keramikherstellung, Buntmetallurgie, Feinschmiedekunst oder Textilarchäologie.

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Im Labor für experimentelle Archäologie: Dr. Lutz Grunwald (links), Dr. Stefan Wenzel (Mitte) und Dr. Michael Herdick (rechts) stellen einige Fehlbrände vor (1 Original und 2 Nachbildungen)    (Foto: Biggi Schroeder)

Rekonstruktion eines Töpferofens

Das Highlight dieser Führung war für mich der Nachbau eines rekonstruierten Töpferofens aus Mayen aus der Zeit um 500 n. Chr. Hier erklärte Dr. Herdick dann einiges zur Bauweise und Funktion des Ofens, der bereits einige erfolgreiche Brennversuche hinter sich hat. Dieser Ofentyp wurde zum Brand von einfacher rauhwandiger Ware, die für den Export bestimmt war, genutzt. Mich hat eigentlich am meisten erstaunt, dass auch die Gestaltung der Ofenwandung einen Einfluss auf das Brennergebnis und die Funktionstüchtigkeit hat. Näheres zu diesem Großprojekt findet man auf der Website des RGZM: Erstes Großprojekt am Labor für Experimentelle Archäologie gelungen

Einblick in die Funde aus dem Töpferzentrum Herforst/Speicher

Im 2. Stock des Hauses wartete eine weitere Überraschung auf mich: Hier zeigte Katrin Heyken mir die aus einer Grabung stammenden – bereits zu Gefäßen zusammengesetzten – Funde aus dem antiken Töpferzentrum Herforst/Speicher. Eine äußerst Interessante Geschichte, welche auch in einem Vortrag von Dr. Angelika Hunold und Dr. Holger Schaaff beleuchtet wird. Der Vortrag findet am 17. April 2018 im Rahmen der Wintervorträge statt und trägt den Titel: Archäologie von ungeahntem Ausmaß – Die römischen Töpfereien von Speicher und Herforst (Südeifel)

Fazit:
Für mich war dieser Tag im VAT Mayen etwas ganz Besonderes. Ich hätte nie erwartet, eine solche Fülle an Informationen zu bekommen. Mein Dank dafür geht an das ganze Team. Ganz besonders aber möchte ich Lutz Grunwald danken, der mich in einer unnachahmlich netten Art mit Informationen versorgt und durch den Tag in der VAT begleitet hat.

Empfehlenswerte Literatur zum Thema:

Lutz Grunwald, Den Töpfern auf der Spur – Orte der Keramikherstellung im Licht der neuesten Forschung: Ein Résumé unter Berücksichtigung der Mayener Keramikproduktion. In: L. Grunwald (Hrsg.), Den Töpfern auf der Spur – Orte der Keramikherstellung im Licht der neuesten Forschung. RGZM – Tagungen 21 (Mainz 2015) 449-461.

L. Grunwald, Mayen in der Eifel und die Herstellung der »Mayener Ware« von der Mitte des 4. bis in die 1. Hälfte des 6. Jahrhunderts. Archäologisches Korrespondenzblatt 46, 2016, 345-361.

L. Grunwald, Keramische Luxuswaren aus den spätmittelalterlichen Töpfereien von Mayen (Lkr. Mayen-Koblenz). Anmerkungen zu Werkstätten und zwei Krugfragmenten mit anthropomorphen Verzierungen. Archäologisches Korrespondenzblatt 45/1, 2015, 137-151.

L. Grunwald, Die spätmittelalterliche und neuzeitliche Keramikproduktion in Mayen in der Eifel. In: S. Glaser (Hrsg.), Keramik im Spannungsfeld zwischen Handwerk und Kunst. Beiträge des 44. Internationalen Symposiums Keramikforschung im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg, 19.-23. September 2011 (Nürnberg 2015) 63-76.

L. Grunwald, Die Mayener Keramikproduktion der jüngeren Neuzeit: Vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. In: H. Schüller (Hrsg.), Mayen im Rückspiegel. Festschrift zum 725-jährigen Stadtjubiläum von Mayen in der Eifel (Mayen 2016) 184-201.

E. Hanning / G. Döhner / L. Grunwald / A. Hastenteufel / A. Resch / A. Axtmann / A. Bogott, Experimental Reconstruction and Firing of a 5th/6th Century Updraft Kiln from Mayen Germany. In: Experimentelle Archäologie in Europa H. 15, 2016, 58-71.

L. Grunwald, Produktion und Warendistribution der Mayener Ware in spätrömischer und frühmittelalterlicher Zeit. In: Chr. Later / M. Helmbrecht / U. Jecklin-Tischhauser (Hrsg), Infrastruktur und Distribution zwischen Antike und Mittelalter. Tagungsbeiträge der Arbeitsgemeinschaft Spätantike und Frühmittelalter 8 (Lübeck, 2.-3. September 2013) (Hamburg 2015) 191-207.

L. Grunwald, Die »Mayener Ware« zwischen Produkt, Handel und Distributionsgebiet (4. bis 14. Jahrhundert). In: M. Schmauder (Hrsg.), Keramik als Handelsgut. Produkt – Distribution – Absatzmarkt. Tagungsband Keramiksymposium 2016 Bonn (im Druck).

E. Hanning / G. Döhner / L. Grunwald / M. Herdick / A. Hastenteufel / A. Rech / A. Axtmann, Die Keramiktechnologie der Mayener Großtöpfereien: Experimentalarchäologie in einem vormodernen Industrierevier. Jahrb. RGZM 61, 2014 (im Druck).

L. Grunwald, Mayen in der Eifel vom 6. bis in das 10. Jahrhundert. Historische Einbindung – Siedlungsstruktur – Wirtschaftsbedeutung. In: Jörg Drauschke / Ewald Kislinger / Karin Kühtreiber / Thomas Kühtreiber / Gabriele Scharrer-Liška / Tivadar Vida (Hrsg.), Lebenswelten zwischen Archäologie und Geschichte. Festschrift für Falko Daim zu seinem 65. Geburtstag. RGZM Monographien 150 (Mainz 2018) (im Druck).

 

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