„Land unter“ – Historische Hochwassermarken im Hessischen Ried

Ein Blick in die Siedlungsgeschichte und in die historischen Wetterdaten des Hessischen Ried zeigt uns, das der Kampf gegen Hochwasser in dieser Gegend eine lange geschichtliche Tradition hat. Neben zahlreichen Rheinüberflutungen hatten die rheinnahen Ortschaften besonders in den Jahren 1651, 1784 und 1845 unter extremem Hochwasser zu leiden. Eines der schlimmsten Hochwässer ereignete sich zum Jahreswechsel 1882/83 – also quasi in der Neujahrsnacht.

Um die historischen Hochwasserstände sichtbar zu machen, wurden in vielen der betroffenen Ortschaften an Gebäuden sogenannte „Hochwassermarken“ angebracht. Nachfolgend stelle ich einige Beispiele aus meinem Nachforschungsgebiet vor.

Die Alte Mühle in Wallerstädten

Die im Jahr 1619 erbaute Wassermühle in Wallerstädten liegt als einziges Gebäude auf der nördlichen Seite des Landgrabens. Die idyllische Lage kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es hier zu Hochwasserzeiten im wahrsten Sinne „Land unter“ war. Die Markierungen am roten Sandsteinbogen der Eingangstür zeugen noch heute davon.

Alte Mühle, Wallerstädten
Alte Mühle in Wallerstädten (links) mit Blick auf den Landgraben (Foto: Biggi Schroeder)
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Die Hochwassermarken der Extremjahre 1784 und 1883 (Foto: Biggi Schroeder)
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In der Mitte des Fotos ist der rote Sandsteinbogen mit den Hochwassermarken zu sehen (Foto: Biggi Schroeder)

Der Bensheimer-Hof in Leeheim

Der Bensheimer-Hof in Leeheim hat eine sehr interessante und wechselvolle Siedlungsgeschichte, in welcher auch das Hochwasser über die Jahrhunderte immer wieder eine Rolle spielte. Es war quasi eine Landbewirtschaftung „auf nassem Grund“. Das Hochwasser von 1883 wurde für Leeheim  zu einem der schlimmsten der Historie: Ganze 1.440 Hektar einer Gesamtfläche von 1.475 Hektar wurden überflutet. 

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Der Bensheimer-Hof in Leeheim (Foto: Biggi Schroeder)
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Hochwassermarke am Sandsteintor des Bensheimer-Hofes (Foto: Biggi Schroeder)

Die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in Geinsheim

Die Baugeschichte der Dietrich-Bonhoeffer Kirche in Geinsheim ist untrennbar mit dem Jahrhunderthochwasser der Neujahrsnacht 1882/83 verbunden. Nach der Grundsteinlegung am 30. Mai 1882 wurden in Rekordzeit bis Jahresende die Turm- und Kirchenmauern errichtet und auch die Dacharbeiten waren weitgehend abgeschlossen. Der Rhein hatte zu diesem Zeitpunkt bereits den höchsten Stand des Jahrhunderts erreicht und am 29. Dezember 1882 brachen die Dämme. Eine Hochwassermarke vom 3. Januar 1883 an der Stützmauer des Chorbereiches erinnert noch heute an dieses Jahrhunderthochwasser.

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Dietrich-Bonhoeffer Kirche in Geinsheim (Foto: Biggi Schroeder)
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Hochwassermarken an der Stützmauer des Chorbereichs (Foto: Biggi Schroeder)

Fischergasse 21 a in Trebur

In der Fischergasse 21 a befinden sich an einem modernen Garagengebäude zwei Hochwassermarken. Die Garage liegt unmittelbar am Schwarzbachdamm.

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Der Schwarzbach in Trebur in der Nähe der Fischergasse (Foto: Biggi Schroeder)
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Die Hochwassermarken der Jahre 1784 und 1883 an einer Garage in der Fischergasse 21a  (Foto: Biggi Schroeder)
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