Ausstellungstipp: OMG! – Objekte mit Geschichte!

OMG! – Objekte mit Geschichte. So lautet der Titel einer aktuellen Ausstellung im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe. Dort sind an 26 Stationen – inmitten der Dauerausstellungen – Objekte mitsamt ihrer jeweils außergewöhnlichen Geschichte zu erleben. Fast alle gezeigten Objekte fanden auf äußerst seltsamen und oft zweifelhaften Wegen ihren Weg ins Museumsdepot.

Die folgende „Objektgeschichte“ finde ich besonders bezeichnend, denn sie handelt in einer Zeit, als typischerweise Pfarrer, Lehrer und Akademiker an archäologischen Ausgrabungen teilnahmen – oder diese gar in Eigenregie ausführten.

Des Pfarrers „neue Pötte“

Bei einer Ausgrabung der Badischen Altertümerverwaltung im Jahr 1911 wurden im Kraichgau drei Gefäße aus einem Grabhügel der älteren Hallstattzeit geborgen. An der Grabung war unter anderem auch der ortsansässige Pfarrer beteiligt. Für seine Mühe hat er sich offenbar selbst belohnt: 3 der geborgenen Gefäße hat er als „persönliches Andenken“ an die Grabung für sich behalten.

Obwohl das Badische Landesmuseum die Gefäße über Jahre hinweg zurückverlangte, kamen erst seine Erben der Aufforderung nach und übergaben die Gefäße. Allerdings waren diese inzwischen leider mit einer Tarnfarbe überstrichen worden…

Hallstattzeitliche Gerfäße mit moderner Übermalung
Des Pfarrers „Pötte“:  Nach 100 Jahren fanden sie endlich ihren Weg ins Museum. Leider wurden sie mit einer Tarnfarbe übermalt! (Foto: Biggi Schroeder)

Fazit: Eine sehr lohnenswerte Ausstellung mit einen ganz spannenden Ansatz für die Präsentation von archäologischen Objekten. Diese werden nicht als „Schatz“ präsentiert, sondern als das was sie tatsächlich sind: Objekte mit einer Geschichte!

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Restauriert und dennoch für immer zerstört!

Eine Restaurierung von Kunst- und Kulturgütern soll deren Erhalt dienen und wird aus diesem Grund von ausgebildeten Restauratoren ausgeführt. Hierbei geht es nie um die reine „Verschönerung“ sondern um die Erhaltung des Objekts. Bedauerlicherweise ist das aber nicht immer so! Es gibt ganz sicher viele Fälle, wo unsachgemäße Maßnahmen vertuscht werden und daher wohl nie an die Öffentlichkeit gelangen.

Ein Beispiel für solch eine „unsachgemäße Verschönerungsaktion“ ist mit bei meinem heutigen Ausflug nach Seligenstadt bekannt geworden. Ein netter Herr machte mich auf das aus romanischer Zeit stammende Kreuz, welches über dem Zelebrationsaltar hängt, aufmerksam. Er erzählte, dass dieses sein heutiges Aussehen erst durch eine Restaurierung im Jahr 1907 erhielt.

Der damalige Pfarrer ließ die fehlenden Arme und Füße sowie eine vorher nicht dagewesene Krone ergänzen, die Kreuzbalken ändern und auch die zuvor nicht vorhandene Farbe ergänzen. Somit haben wir zwar sicher ein optisch ansprechenderes Objekt, aber es ist dennoch für immer zerstört weil es eben nicht mehr im Ursprungszustand ist.

Ich habe diese Geschichte auch bei Wikipedia und auf der Webseite der Basilika-Pfarrei St. Marcellinus und Petrus Seligenstadt nachlesen können.

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Das restaurierte, romanische Kruzifix in der Basilika-Pfarrei St. Marcellinus und Petrus in Seligenstadt  (Foto: Biggi Schroeder)