Fluch oder Segen? – Funde ungewöhnlich großer Keramikscherben mit frischen Bruchkanten

Lesefunde, welche  von bewirtschafteten Ackerflächen stammen, sind in der Regel aufgrund des Einsatzes moderner Landmaschinen oft sehr kleinteilig zerscherbt. Daher war ich umso überraschter, als ich bei einer meiner letzten Begehungen auf dem wenige Wochen zuvor frisch gepflügten Acker erstaunlich viele große Scherben fand. Und noch erstaunter war ich über die vielen frischen Bruchkanten. Daher versuchte erst mal herauszufinden, ob die Scherben vielleicht zusammenpassen. Das war tatsächlich bei einigen der Fall – sie mussten also von demselben Gefäß stammen.

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Südgallische terra sigillata – Bodenscherbe einer Drag 30 Schüssel (Foto: Biggi Schroeder)
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2 zusammenpassende Bodenfragmente einer Drag 27 Schüssel mit Töpferstempel – Südgallische terra sigillata (Foto: Biggi Schroeder)

Warum tauchen plötzlich so viele große Scherben auf?

Diese Frage habe ich mir natürlich gestellt! Meine Vermutung ist, dass der Landwirt möglicherweise etwas  tiefer gepflügt hatte und im Zuge dessen vielleicht einige Gruben angeschnitten hat. Die Scherben traten an manchen Stellen relativ konzentriert auf – das könnte ein weiteres Indiz dafür sein.

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Bodenfragment aus der TS Produktion Rheinzabern (Foto: Biggi Schroeder)

Nicht zu unterschätzen ist zudem der erosionsbedingte Bodenabtrag auf der Ackerfläche.  Denn je dünner die Pflughorizontschicht über einem Bodendenkmal ist, umso eher sind darin befindliche Artefakte und Mauerreste gefährdet.

Beide Faktoren könnten – einzeln oder gemeinsam -in meinem Fall dafür gesorgt haben, das der Pflug die bislang geschützten Scherben  ans Tageslicht brachte.

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Wandscherbe der Urmitzer Ware (Foto: Biggi Schroeder)

Gut oder schlecht?

Gut an der Sache ist, dass ich die Scherben dokumentieren und bergen konnte. Schlecht daran ist, dass der Pflug vermutlich in den Bereich des Bodendenkmals gelangt ist und somit bisher geschützte Funde an die Oberfläche befördert hat.  Umso wichtiger ist die horizontalstratigrafische Dokumentation der  Lesefunde.

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Wandscherbe einer vorgeschichtlichen Warenart (Foto: Biggi Schroeder)

History-Tour: Eine Exkursion zum spätrömischen Hafen und frühmittelalterlichen Gräberfeld in Astheim

Archäologie & Geschichte können als  wichtiges Bindeglied zwischen Gesellschaft und Politik fungieren. So hatte der an Archäologie und Geschichte sehr interessierte Bundestagsabgeordnete Gerold Reichenbach vor 16 Jahren die Idee, eine History-Tour ins Leben zu rufen. Diese steht unter der Schirmherrschaft des Historikers und Germanisten Prof. Dr. Ernst Erich Metzner. Alle Informationen hierzu sind auf der Homepage von Gerold Reichenbach zu finden.

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Dr. Thomas Maurer (links) und Gerold Reichenbach (Foto: Biggi Schroeder)

Die gestrige Exkursion  stand unter dem Motto „Über Stock und Stein“. Als Referent stand Dr. Thomas Maurer (M.A.) vom Institut für Archäologische Wissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main zur Verfügung. Er führte uns zum Gelände, auf dem der spätrömische Burgus, einer sogneannten Schiffslände, im Jahr 2003 als Lehrgrabung der Uni-Frankfurt ausgegraben wurde. Die eigentliche Überraschung aber war, das neben dem Burgus auch neun frühmittelalterliche Körpergräber mit reichen Beigaben gefunden wurden.

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Das ehemalige Grabungsgelände des Schiffsländeburgus in Astheim (Foto: Biggi Schroeder)

Gerold Reichenbach hat einen sehr schönen Bericht über die gestrige Exkursion verfasst. Diesen kann man hier nachlesen: Zweite Station der „History Tour“: Zum Spätrömischen Hafen in Astheim

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Die Teilnehmer der Exkursion (Foto: Biggi Schroeder)

Aktenzeichen „Warenart unbestimmt“…

Jeder Feldbegeher kennt das sicherlich: Man findet hin und wieder Rand-, Wand- Bodenscherben, die man nicht zweifelsfrei einer  bestimmten Warenart zuordnen kann. Im Fundbericht und auf dem Fundzettel beschreibe ich diese anhand der sichtbaren Merkmale so gut wie möglich und versehe sie mit dem Hinweis „Warenart unbestimmt“.

Bei dieser Scherbe, die ich bei einer Begehung im Mai 2014 entdeckt habe, handelt es sich um einen solchen Fund. Er fällt (bislang) in die Kategorie“ Warenart unbestimmt“, denn selbst Autopsien haben bislang keine Klärung gebracht. Vielleicht kann irgend jemand anhand des Beitrags „sachdienliche Hinweise“ auf die Identität der „unbekannten Scherbe“ geben.

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Schauseite der Wandscherbe mit plastischer Wellen- und Rillenzier (Foto: Biggi Schroeder)

Beschreibung: Farbe mittelgrau, im Kern hellgrau, klingend hart gebrannter Scherben, breite und tiefe Riefen an der Innenseite, die Schauseite weist eine plastische Verzierung mit Wellenmuster und Rillen auf. Anhand des Verlaufs der Rillen könnte es sich um das Fragment eines Deckels handeln. Der Scherben weist nur wenige, mittelgrobe Magerungsbestandteile auf.

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Innenseite mit tiefer, breiter Riefung (Foto: Biggi Schroeder)
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Profil der Scherbe (Foto: Biggi Schroeder)

Von der Zeitstellung her würde ich eine grobe Datierung ins Spätmittelalter nicht ausschließen. Aber das muss erst mal pure Spekulation bleiben.

Vielleicht könnt ihr ja Licht ins Dunkel bringen. Ich freue mich auf entsprechende Hinweise zur möglichen Warenart!

 

 

 

Im Auftrag der HessenArchäologie unterwegs! – Ein Gastbeitrag für den LWL-Blog

Das LWL-Museum für Archäologie ist eine Institution, wenn es um die sehr anschauliche und moderne Präsentation der Geschichte Westfalens geht. Dazu trägt seit kurzem auch der LWL-Blog bei. Vor einigen Wochen wurde ich vom Redaktionsteam gefragt, ob ich einen Gastbeitrag für diesen Blog  schreiben würde. Dieser Bitte bin ich sehr gerne nachgekommen. Mein Beitrag wurde am 20. Mai publiziert und ist hier nachzulesen: Im Auftrag der HessenArchäologie unterwegs!

Wohl zu beachten! – Eine Anleitung von Anno 1888 für das Verfahren bei Ausgrabungen

Die ordnungsgemäßte Dokumentation von Funden und Befunden ist in der Archäologie & Denkmalpflege von größter Wichtigkeit! Ein noch so toller Fund wird für die Wissenschaft wertlos, wenn seine Herkunft nicht klar dokumentiert wurde. Vor diesem Hintergrund finde ich die kleine Publikation „Eine Anleitung für das Verfahren bei Ausgrabungen sowie zum Konservieren Vor- und Frühgeschichtlicher Altherthümer“ aus dem Jahre 1888 äußerst fortschrittlich. Denn hier zeichnet sich bereits in Zeiten lange vor Kultur- und Denkmalschutz  ein Grundverständnis für den richtigen Umgang mit den Funden und ihrer entsprechenden Dokumentation sehr deutlich ab.

Das PDF findet sich hier: Merkbuch Alterthümer auszugraben und aufzubewahren_Berlin 1888

Ein Zitat daraus, welches mit besonders gefällt, ist dieses hier:

„Überhaupt ist es von größter Wichtigkeit, die gefundenen Gegenstände gleich nach der  Auffindung durch Etiketten genau zu bezeichnen und über die Fundumstände möglichst sogleich an Ort und Stelle recht genaue Aufzeichnungen zu machen. Bei  Entdeckung größerer Fundstellen, sowie zur Untersuchung größerer Denkmäler ziehe man auf alle Fälle Sachverständige zu Rathe.“

Auf jeden Fall kann ich nur empfehlen, sich das Büchlein einmal durchzulesen.

Nachtrag: Rainer Schreg hatte in 2011 für seinen Blog Archaeologik ebenfalls einen sehr interessanten Blogpost zu dieser Publikation verfasst. Hier ist der Link dazu: Merkbuch, Alterthümer auszugraben und aufzubewahren 1888

 

„Land unter“ – Historische Hochwassermarken im Hessischen Ried

Ein Blick in die Siedlungsgeschichte und in die historischen Wetterdaten des Hessischen Ried zeigt uns, das der Kampf gegen Hochwasser in dieser Gegend eine lange geschichtliche Tradition hat. Neben zahlreichen Rheinüberflutungen hatten die rheinnahen Ortschaften besonders in den Jahren 1651, 1784 und 1845 unter extremem Hochwasser zu leiden. Eines der schlimmsten Hochwässer ereignete sich zum Jahreswechsel 1882/83 – also quasi in der Neujahrsnacht.

Um die historischen Hochwasserstände sichtbar zu machen, wurden in vielen der betroffenen Ortschaften an Gebäuden sogenannte „Hochwassermarken“ angebracht. Nachfolgend stelle ich einige Beispiele aus meinem Nachforschungsgebiet vor.

Die Alte Mühle in Wallerstädten

Die im Jahr 1619 erbaute Wassermühle in Wallerstädten liegt als einziges Gebäude auf der nördlichen Seite des Landgrabens. Die idyllische Lage kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es hier zu Hochwasserzeiten im wahrsten Sinne „Land unter“ war. Die Markierungen am roten Sandsteinbogen der Eingangstür zeugen noch heute davon.

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Alte Mühle in Wallerstädten (links) mit Blick auf den Landgraben (Foto: Biggi Schroeder)
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Die Hochwassermarken der Extremjahre 1784 und 1883 (Foto: Biggi Schroeder)
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In der Mitte des Fotos ist der rote Sandsteinbogen mit den Hochwassermarken zu sehen (Foto: Biggi Schroeder)

Der Bensheimer-Hof in Leeheim

Der Bensheimer-Hof in Leeheim hat eine sehr interessante und wechselvolle Siedlungsgeschichte, in welcher auch das Hochwasser über die Jahrhunderte immer wieder eine Rolle spielte. Es war quasi eine Landbewirtschaftung „auf nassem Grund“. Das Hochwasser von 1883 wurde für Leeheim  zu einem der schlimmsten der Historie: Ganze 1.440 Hektar einer Gesamtfläche von 1.475 Hektar wurden überflutet. 

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Der Bensheimer-Hof in Leeheim (Foto: Biggi Schroeder)
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Hochwassermarke am Sandsteintor des Bensheimer-Hofes (Foto: Biggi Schroeder)

Die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in Geinsheim

Die Baugeschichte der Dietrich-Bonhoeffer Kirche in Geinsheim ist untrennbar mit dem Jahrhunderthochwasser der Neujahrsnacht 1882/83 verbunden. Nach der Grundsteinlegung am 30. Mai 1882 wurden in Rekordzeit bis Jahresende die Turm- und Kirchenmauern errichtet und auch die Dacharbeiten waren weitgehend abgeschlossen. Der Rhein hatte zu diesem Zeitpunkt bereits den höchsten Stand des Jahrhunderts erreicht und am 29. Dezember 1882 brachen die Dämme. Eine Hochwassermarke vom 3. Januar 1883 an der Stützmauer des Chorbereiches erinnert noch heute an dieses Jahrhunderthochwasser.

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Dietrich-Bonhoeffer Kirche in Geinsheim (Foto: Biggi Schroeder)
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Hochwassermarken an der Stützmauer des Chorbereichs (Foto: Biggi Schroeder)

Fischergasse 21 a in Trebur

In der Fischergasse 21 a befinden sich an einem modernen Garagengebäude zwei Hochwassermarken. Die Garage liegt unmittelbar am Schwarzbachdamm.

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Der Schwarzbach in Trebur in der Nähe der Fischergasse (Foto: Biggi Schroeder)
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Die Hochwassermarken der Jahre 1784 und 1883 an einer Garage in der Fischergasse 21a  (Foto: Biggi Schroeder)

„Fieldwork wanted“ – Ein Erfahrungsbericht über die Teilnahme als Laie an archäologischen Ausgrabungen

Noch bevor ich mich in 2009 erstmals aktiv in der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflege engagierte, wollte ich wissen: Wie funktioniert eigentlich Archäologie in der Praxis und was passiert bei einer archäologischen Ausgrabung. Für die Suche nach einer Möglichkeit zur Teilnahme an einer Ausgrabung war das Internet die erste Anlaufstelle. Hier fand ich nach einiger Recherche ein Projekt, welches meinen Vorstellungen entsprach und welches ich zudem mit einem Urlaub verbinden konnte: Archaeology LIVE!

Archaeology LIVE!  

Meine „Grabungs-Premiere“ hatte ich dann im August 2008 mit der Teilnahme an dem Projekt „Archaeology LIVE“ in York (UK). Bei Archaeology LIVE handelt es sich um ein vom York Archaeological Trust (YAT) sowie von Teilnahmegebühren finanziertes Projekt. Es bietet Laien und Studenten gleichermaßen die Möglichkeit, praktische Erfahrungen in der Disziplin Archäologie zu sammeln. Die Ausbildung erfolgt durch Berufsarchäologen. Allerdings sollte man sehr gut Englisch können, denn die gesamte Ausbildung erfolgt durch englische Muttersprachler.

Ausgrabung „Römisches Bühnentheater in Mainz“

Nachdem ich meine erste Grabungserfahrung in Großbritannien sammeln durfte, interessierte mich naturgemäß wie eine Ausgrabung in Deutschland abläuft. Im Internet war damals die Teilnahme von Laien an der laufenden Ausgrabung des römischen Bühnentheaters in Mainz ausgeschrieben. In 2009 nahm ich Kontakt zum damaligen Grabungsleiter Thomas Dederer von der Direktion Landesarchäologie in Mainz auf. Er gab mir die Möglichkeit, an einigen Urlaubstagen an der Ausgrabung teilzunehmen. Von ihm habe ich auch sehr viel über die Grabungstechniken etc. lernen dürfen. Übrigens wurden damals die diversen Grabungskampagnen fast allesamt unter tatkräftiger Mithilfe von  interessierten Mainzer Bürgern durchgeführt.

Ausgrabung eines fränkischen Gräberfeldes in Mörstadt (Kreis Worms/Alzey)

Ebenfalls über die Direktion Landesarchäologie in Mainz – unter der Grabungsleitung von Dr. Ronald Knöchlein – nahm ich in 2011 für 2 Tage an der Ausgrabung eines fränkischen Gräberfeldes in Mörstadt teil. Es lag in der Natur der Sache, das ich es hier erstmals mit menschlichen Überresten zu tun hatte. Zudem war eine körperlich sehr anstrengende Grabung, denn an den beiden Tagen lag die Ausstentermperatur bei nahezu 40 Grad. Auch die Planen und Sonnenschirme konnten da nicht viel Linderung bringen… Dennoch war es eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

Geoprospektion des Weilerhügels

Aber nicht nur Grabungen, sondern auch die zerstörungsfreie Geoprospektion gehört zur archäologischen Geländearbeit. Im Jahr 2013 führte terraplana am Weilerhügel eine vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen sowie vom Grundstücksbesitzer genehmigte Prospektion durch, an der ich auch teilgenommen habe. Der Weilerhügel ist der Rest einer mittelalterlichen Niederungsburg des 11. und 12. Jahrhunderts, welche in der Gemarkung Hähnlein liegt. Unter der Leitung von Martin Posselt (Posselt & Zickgraf) nahmen ausschließlich Laien an der Geoprospektion teil. Auch dies war eine Erfahrung, die Laien das Verständnis für die Archäologie, Denkmalpflege und den Schutz von Kulturgütern näherbringen kann.

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Teilnehmer der Geoprospektion in „Action“:  Biggi Schroeder, Martin Posselt, Jörg Lotter & Peter Schmidt (Foto: B. Schmidt)

Fazit: Es bieten sich für Laien einige Möglichkeiten der Teilnahme an Ausgrabungen und auch an Prospektionen. Ich möchte vorab noch nicht zu viel verraten, aber ich werde in meinem Blog in Kürze nochmals auf eine Auflistung hinweisen. Mehr will und darf ich noch nicht verraten… Es bleibt also spannend😉

Ausstellungstipp: OMG! – Objekte mit Geschichte!

OMG! – Objekte mit Geschichte. So lautet der Titel einer aktuellen Ausstellung im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe. Dort sind an 26 Stationen – inmitten der Dauerausstellungen – Objekte mitsamt ihrer jeweils außergewöhnlichen Geschichte zu erleben. Fast alle gezeigten Objekte fanden auf äußerst seltsamen und oft zweifelhaften Wegen ihren Weg ins Museumsdepot.

Die folgende „Objektgeschichte“ finde ich besonders bezeichnend, denn sie handelt in einer Zeit, als typischerweise Pfarrer, Lehrer und Akademiker an archäologischen Ausgrabungen teilnahmen – oder diese gar in Eigenregie ausführten.

Des Pfarrers „neue Pötte“

Bei einer Ausgrabung der Badischen Altertümerverwaltung im Jahr 1911 wurden im Kraichgau drei Gefäße aus einem Grabhügel der älteren Hallstattzeit geborgen. An der Grabung war unter anderem auch der ortsansässige Pfarrer beteiligt. Für seine Mühe hat er sich offenbar selbst belohnt: 3 der geborgenen Gefäße hat er als „persönliches Andenken“ an die Grabung für sich behalten.

Obwohl das Badische Landesmuseum die Gefäße über Jahre hinweg zurückverlangte, kamen erst seine Erben der Aufforderung nach und übergaben die Gefäße. Allerdings waren diese inzwischen leider mit einer Tarnfarbe überstrichen worden…

Hallstattzeitliche Gerfäße mit moderner Übermalung
Des Pfarrers „Pötte“:  Nach 100 Jahren fanden sie endlich ihren Weg ins Museum. Leider wurden sie mit einer Tarnfarbe übermalt! (Foto: Biggi Schroeder)

Fazit: Eine sehr lohnenswerte Ausstellung mit einen ganz spannenden Ansatz für die Präsentation von archäologischen Objekten. Diese werden nicht als „Schatz“ präsentiert, sondern als das was sie tatsächlich sind: Objekte mit einer Geschichte!

Keramik im Scherbenschleier! Vom Umgang mit spätmittelalterlichen bis neuzeitlichen Lesefunden

Viele Feldbegeher neigen dazu, bei einer Begehung ausschließlich die „schönen“ und verzierten Scherben aufzunehmen sowie selektiv hinsichtlich der eigenen bevorzugten Zeitstellung zu agieren. Einige mir bekannte Personen sind gar der Meinung, dass ausschließlich die Randscherben eine Aussagekraft besitzen. Als Folge bleiben unscheinbar aussehende Wandscherben sowie auch spätmittelalterliche bis neuzeitliche Keramik – welche dem Scherbenschleier zuzuordnen ist – auf dem Acker zurück. Aber gerade eine konsequente und gute Dokumentation dieser Warenarten kann den Archäologen wichtige Aussagen hinsichtlich möglicher Veränderungen in den Landnutzungsstrategien und somit der Siedlungsentwicklung geben.

Was genau ist eigentlich ein Scherbenschleier?

Einen sehr guten Überblick – auch über die Bedeutung des Scherbenschleiers für die Forschung – liefert uns Rainer Schreg in seinem Blogpost „Scherbenschleier als Indikator für Landnutzungsstrategien“

Auch Tamara Ruchte, Larissa Schulz und Lukas Werther haben den äußerst interessanten Blogpost „Landnutzung und Siedlungsentwicklung im Umfeld des Karlsgrabens. Scherbenschleier als archäologische Quelle“ verfasst. Hierbei geht es um mehrere Kampagnen, in denen ein Team aus Studierenden und Ehrenamtlichen sehr große Ackerflächen systematisch begangen hat.

Gerade auch die Beschreibung der Methodik finde ich hierbei sehr spannend. Alle Fragmente (auch kleinste Teile) wurden systematisch und zentimetergenau mittels Differential-GPS eingemessen. Abgrenzbar gegen echten Siedlungsniederschlag wird das Fundmaterial übrigens nur durch eine vollständige Aufsammlung. Hier zählt also eher die Quantität als die Qualität. Die so gewonnenen Daten können zu einem besseren Verständnis der spätmittelalterlichen bis neuzeitlichen Landnutzung und Siedlungsgenese beitragen. Ein gutes Beispiel in diesem Zusammenhang ist die Mistdüngung: Zerbrochene Keramik wurde früher häufig auf dem Misthaufen entsorgt. Die Scherben gelangten dann – quasi als sekundärer Verlagerung – zusammen mit dem Dung auf die Felder.

Beispiele für keramisches Fundmaterial aus dem Scherbenschleier

Nachfolgend stelle ich einige der Keramikfunde aus dem Fundmaterial meiner Wüstungen vor, die dem Scherbenschleier zuzurechnen sind.

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Blau-graues Steinzeug diverser Produktionsstätten und Zeitstellungen – etwa zwischen 1650 bis 1800 n. Chr. (Foto: Biggi Schroeder)
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Untere Reihe & oben rechts: Fragmente vom Siegburger Trichterhalskrügen,  1675 n. Chr.  Oben limks: Hart gebrannte Irdenware rhein. Produktion – ca. 12-13. Jhd.                          (Foto: Biggi Schroeder)
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Scherben der Warenart „Jüngere graue Drehscheibenware“ (Foto: Biggi Schroeder)
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Kleinstfragment eines Siebeinsatzes (links unten) sowie Scherben der sogenannten  manganvioletten Ware (Foto: Biggi Schroeder)

Die Aussagekraft des Scherbenschleiers

Der Aussagekraft des Scherbenschleiers ist auch wichtig zur Abgrenzung echter Siedlungsaktivitäten der begangenen Flächen. Wichtig sind in dem Zusammenhang die Beobachtung und Dokumentation von Funden der jüngeren Vergangenheit zur Eingrenzung von Arealen mit Müllabladung.

Übrigens: Für Verteilungsanalysen sind Randscherben allein oft zu wenig. Eine grobe Einordnung nach Warenarten ist aber oft auch bei Wandscherben möglich.

 

Wüstungsforschung mittels „Open-Access-Publikationen“

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Archäologische Fachpublikationen sind für mich im Rahmen meiner Wüstungsforschung ein wichtiges Werkzeug. Diese stehen entweder als gedruckte Publikation oder Online – im sogenannten „Open-Access“ – zur Verfügung.

Zudem etablieren sich mittlerweile verstärkt Archäologie-Blogs. Eine Liste internationaler Blogs, an deren Erstellung ich mitgewirkt habe, ist auf dem Blog Archaeologik publiziert: Archäologische Blogs – eine Liste

Auch wenn ich es bevorzuge ein Buch in der Hand zu halten, finde ich den offenen Zugang zu archäologischen und geschichtswissenschaftlichen Publikationen wichtig. Gerade wenn man beispielsweise nur eine bestimmte Information aus einer komplexen Publikation benötigt, sind diese unschlagbar.

 

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Recherchetools für die Wüstungsforschung: Internet und Bücher (Foto: Biggi Schroeder)


Meine persönlichen Favoriten

Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS)

Beim Landesgeschichtlichen Informationssystem Hessen (LAGIS) handelt es sich um ein tolles Recherchetool, welches ich regelmäßig für meine Wüstungsforschung nutze. Es enthält in digitaler Form Karten, Lexika, Historische Ortsansichten, einen Geschichtsatlas sowie entsprechende Literatur und Quellen (Regesten).

Universitäts-Bibliothek der Uni Heidelberg

Die Open-Access-Initiative der Universitätsbibliothek Heidelberg ist ein tolles Projekt. Doch Vorsicht: Beim Browsen innerhalb der unzähligen Publikationen kann man sich schnell verlieren…😉

Open-Access Net

Die Informationsplattform open-access.net deckt nach eigenen Angaben den steigenden Informationsbedarf zum Thema Open Access, bündelt Informationen und bereitet diese für verschiedene Zielgruppen und Szenarien auf. Die ensprechenden Links zu den Geschichtswissenschaften finden sich hier: Open-Access in den Geschichtswissenschaften

DGUF – Die Zeitschrift „Archäologische Informationen“

Die Archäologischen Informationen, eine wissenschaftliche Zeitschrift der DGUF, gibt es bereits seit 1972. Inzwischen ist diese Zeitschrift neben der Druckversion auch im Open-Access verfügbar.

Was sind Open-Content-Lizenzen?

Was Open-Content-Lizenzen sind, wie sie funktionieren und was die Rechte und Pflichten von Urhebern und Nutzern dabei sind, erläutert die von Till Kreutzer verfasste Broschüre „Open Content – Ein Praxisleitfaden zur Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen“.

Trotz allem: Man sollte sich  bei Open-Access Publikationen auch immer die entsprechenden Lizenzen und Nutzungsbedingungen anschauen.