Die Erstellung einer Funddatenbank – Ein Leitfaden für ehrenamtliche Feldbegeher

Warum brauchen wir denn eine Funddatenbank?

Um die bei einer Feldbegehungen festgestellten Fundkoordinaten für die archäologische Wissenschaft verwertbar zu machen, müssen wir diese entsprechend aufbereiten. Nur so ergibt sich ein vollständiger Überblick über die Begehungsaktivitäten.

Um ehrenamtlichen Feldbegehern den Einstieg in eine gute Dokumentation zu erleichtern, stelle ich hier mein Prinzip der Dokumentation vor. Dieses wurde von der HessenArchäologie und den Archäologen in meinem Netzwerk für sehr gut befunden.

dsc00041
Diese Funde der Warenart „Pingsdorfer (oder Pingsdorfer Art) wurden in der Funddatenbank mittels ihrer Koordinaten und Beschreibungen genau erfasst. (Foto: Biggi Schroeder)


Die Erstellung einer Funddatenbank in Excel

Ich nutze als Funddatenbank ganz simpel eine Excel-Datei. Diese läßt sich bei Bedarf nach bestimmten Kriterien filtern.

Wandelt man die Excel-Datei in das Format CSV um, dann kann man sie sogar als Textdatei in ein Geoinformationssystem (z.B. QGIS) einbinden. Sie kann nun  in ein sogenanntes Shapefile umgewandelt werden, welches die Fundpunkte als Punktelayer auf eine topografische Karte projiziert.

Download einer Mustertabelle

Ich stelle hier nun eine Mustertabelle mit fiktiven Daten zum Download zur Verfügung.
Diese kann nach dem Download mit den eigenen Daten überschrieben werden.
excel-funddatenbank

Beschreibung der Tabelleninhalte:

Fundtag:
Hier wird das jeweilige Datum der Feldbegehung eingetragen

Fundnummer:
Es ist sinnvoll, eine fortlaufende Fundnummer zu vergeben. Man kann dazu  beispielsweise auch die Numerierung der Waypoints nutzen, die das GPS-Gerät ausgibt. Diese sind fortlaufend, wenn man sie nicht zwischendurch löscht. Sobald ein Fund eingemessen ist, wird die Nummer des Waypoints auf einen Zettel notiert. Dieser kommt dann zusammen mit dem Fund in die Fundtüte. So wird sichergestellt, das dem jeweiligen Fund auch die richtigen Koordinaten zugeordnet werden.

Gemeinde, Gemarkung, Flur:
Diese Kategorie ist selbsterklärend 😉

X
Bei dem mit X bezeichneten Feld wird jeweils der sogenannte Rechtswert der Koordinate eingetragen.

Y
Bei dem mit Y bezeichneten Feld wird jeweils der sogenannte Hochwert der Koordinate eingetragen.

Bitte auch mit dem Amt zuvor klären, welches KBS (Koordinatenbezugssystem) verwendet werden soll. Die HessenArchäologie verwendet beispielsweise das Gauß-Krüger (3 Streifen) Koordinatensystem.

Beschreibung
Dieses Feld bietet mir die Möglichkeit, den einzelnen Fund ganz ausführlich zu beschreiben. Die Beschreibung bezieht sich auf das, was ich sehe: Form, Farbe, Beschaffenheit, Besonderheiten wie Verzierungen etc.

Warenart
Die Warenart ist bereits eine Klassifizierung des Fundes und sollte mit der einsprechenden Vorsicht angewandt werden.

Fundtyp
Hier gibt man die Fundkategorie in einer gröberen Einteilung an. Zum Beispiel: Alle Gegenstände, die aus Ton gefertigt wurde, werden unter dem Oberbegriff der Keramik erfasst.

Die Kategorien Arbeitsvermerke und Vergleichsfunde sind nur zu befüllen, wenn etwas derartiges festzuhalten wäre.

Hinweis:

Es kann es sein, dass, je nach Bundesland, andere Methoden der Dokumentation erwünscht sind. Man sollte man diese daher immer mit dem zuständigen Landesamt für Denkmalpflege abstimmen.

Advertisements

Glasperlenschmuck – Eine kunsthandwerkliche Tradition über die Jahrtausende

Schmuck galt schon in Zeiten der Vorgeschichte als kostbar und hatte über alle Epochen hinweg  einen besonderen Prestigewert. Auch Glasperlen dienten als Schmuck, entweder in Form von Ketten oder als Trachtenbestandteil. Die Glasperlenherstellung hatte ihren Ursprung im vor­geschichtlichen Europa bereits vor ca. 3.000 Jahren. Glasperlen finden sich daher im archäologischen Fundmaterial von Siedlungen und Gräbern der Bronze-, Eisen-, und Römerzeit bis hin zum Mittelalter.

Bei den Begehungen meiner mittelalterlichen Wüstungen finde ich auch heute noch Spuren dieser Schmucktradition. Zu meinem Lesefundspektrum gehören bislang 4 Glasperlen, welche ich über einen Zeitraum von ca. 3 Jahren bergen konnte. Um Perlen auf dem Acker zu erkennen, benötigt man neben guten Augen auch eine gewisse Portion Neugier. Zum Beispiel hätte ich – ohne diese Neugier – die weiße Perle mit einen Durchmesser von nur 5 Milimeter nicht als solche erkannt. Man hätte sie nämlich auch für einen kleinen Kieselstein halten können…

Nachfolgend stelle ich meine 4 Funde genauer vor. Die meergrüne und die weiße Perle konnten von ihrer Form her als merowingerzeitlich bestimmt werden. Die beiden kobaltblauen Perlenfragmente sind zeitlich nicht näher zu bestimmen. Von ihrer Form und Farbe her könnten sie vorgeschichtlich, römisch oder mittelalterlich sein.

Meergrüne Perle (merowingerzeitlich)

Die tönnchenförmige Perle ist aus opakem Glas. Dieses erscheint an der Oberfläche matt und rauh. Man kann aber die meergrüne Farbe noch deutlich an einigen Stellen erkennen. Sie hat einen Durchmesser von 1,2 cm und eine Höhe von 1 cm.

dsc02575
Am oberen Rand ist die ursprüngliche Farbe noch gut sichtbar. (Foto: Biggi Schroeder)
dsc02577
Die Glasperle im Profil  (Foto: Biggi Schroeder)

Weiße Perle (merowingerzeitlich)

Die Perle ist aus opakem Glas, welches an der Oberfläche matt erscheint. Sie hat einen Durchmesser von 0,5 cm und eine Höhe von 0,5 cm.

dsc02592
Die Form der Perle ist eher viereckig als rund (Foto: Biggi Schroeder)
dsc02593
Die Perle im Profil (Foto: Biggi Schroeder)

Kobaltblaue Perle (zeitlich nicht genauer bestimmbar)

Die kobaltblaue Perle ist aus transluzentem Glas, welches an der Oberfläche eine silbrig-glänzende Patina aufweist. Sie hat einen Durchmesser von 0,5 cm und eine Höhe von 0,5 cm.

dsc02584
Hier sieht man auch gut die silbrige Patina (Foto: Biggi Schroeder)
dsc02583
Die Bruchstelle der Perle (Foto: Biggi Schroeder)

Kobaltblaue Perle (zeitlich nicht genauer bestimmbar)

Die kobaltblaue Perle ist aus transluzentem Glas, welches nur eine geringe Patina erkennen läßt. Sie hat einen Durchmesser von 0,5 cm und eine Höhe von 0,5 cm.

dsc02585
Draufsicht (Foto: Biggi Schroeder)
dsc02587
Die Bruchstelle der Glasperle (Foto: Biggi Schroeder)

Herstellungstechnik der Glasperlen

Vielleicht ist es für den einen oder anderen noch interessant, wie die Glasperlen denn hergestellt wurden. Auf der Webseite der Archäologie Krefeld wird die Methode sehr anschaulich erklärt: Die Technik der Glasperlenherstellung

Glasperlendrehen als Experiment

Übrigens haben wir vor einigen Jahren bei terraplana mal als Experiment Perlen selbst gedreht. Zugegebenermaßen hatten wir keinen Glas-Schmelzofen, daher musste ein Campingkocher für den Schmelzvorgang herhalten 😉 Dennoch: Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.

dsc02594
Glasperlen aus eigener Herstellung – immerhin kam Material für eine komplette Kette zusammen. (Foto: Biggi Schroeder)

Literaturhinweise

Die folgenden Publikationen (oder Teile davon) kann man als PDF im Internet abrufen:

Magdalena Tempelmann-Maczynska, 1985: Die Perlen der römischen Kaiserzeit und der frühen Phase der Völkerwanderungszeit im mitteleuropäischen Barbaricum, Verlag Philipp von Zabern, Mainz

Maren Siegmann, Dissertation Göttingen 1998/99: Bunte Pracht – die Perlen der frühmittelalterlichen Gräberfelder von Liebenau, Kreis Nienburg, Weser, und Dörverden, Kreis Verden, Aller: Chronologie der Gräber, Entwicklung und Trageweise des Perlenschmucks, Technik der Perlen
Link zum Download des PDF auf der Webseite der DGUF

Martin Heck, Dissertation 2000: Chemisch-analytische Untersuchungen an frühmittelalterlichen Glasperlen.

Spinnwirtel im archäologischen Fundmaterial von Siedlungen – Ein Hinweis auf lokale Textilproduktion?

Textilien kaufen wir in der heutigen Zeit entweder in Chain-Stores  oder ganz bequem im Internet. Diese werden aber hauptsächlich in großer Entfernung hergestellt, so dass wir die Produktionsbedingungen gar nicht mehr wahrnehmen.

Wenn wir in die archäologische Forschung schauen, dann zeigt sich anhand entsprechender Funde, dass Spinnen und Textilhandwerk Alltag waren. Archäologen können dies beispielsweise belegen, wenn sich Spinnwirtel oder Webgewichte im Fundmaterial von Siedlungsgrabungen finden.

Bei einem Spinnwirtel handelt es sich um das bei der Handspinnerei verwendete Schwunggewicht, welches am unteren Ende einer Handspindel sitzt. Spinnwirtel finden sich im archäologischen Fundmaterial des Neolithikums genauso wie in dem der Bronzezeit, der Eisenzeit, der Römerzeit und natürlich im gesamten Mittelalter. Mit dem Aufkommen des handbetriebenen Spinnrades im 13. Jahrhundert kommen Handspindeln – und somit auch die Spinnwirtel – nach und nach außer Gebrauch.

dsc02527
Hinweise auf Textilherstellung in abgegangenen Siedlungen: Oberflächenfunde von Spinnwirteln aus Ton und Knochen (Foto: Biggi Schroeder)

Auch im Fundmaterial der von mir regelmäßig begangenen mittelalterlichen Wüstungen finden sich häufiger Spinnwirtel. Etwas problematisch ist es, die genauere Zeitstellung der Wirtel zu ermitteln. Da diese als  Lesefunde geborgen wurden, ist eine genauere Datierung oft nicht möglich. Dies gilt vor allem dann, wenn sie keine besonderen Merkmale – wie etwa Verzierungen oder spezielle Formen – aufweisen. Bei einer archäologischen Grabung wäre das anders, denn hier hätte man die Möglichkeit einer Datierung in einen Kontext zu Beifunden oder über die Stratigraphie.

Vom Material her gab es Spinnwirtel aus Stein, Ton, Glas, Knochen und Metall. Was die Form betrifft, so waren kegelförmige, scheibenförmige, halbkugelige, doppelkonische oder runde Formen beliebt.

Ich möchte nachfolgend vier Spinnwirtel aus dem Fundmaterial meiner Wüstungen einzeln  vorstellen. Zur besseren Visialisierung habe ich, zusätzlich zu den Fotos, noch einige Zeichnungen im Maßstab 1:1 angefertigt.

Spinnwirtel aus Knochen (halbkugelig)

Der Spinnwirtel aus Knochen ist ohne jede Verzierung. Eine Besonderheit zeigt sich bei Lochbohrung: Dieses ist nicht komplett durchgängig. An der Unterseite beträgt die Tiefe der Bohrung 1,2 cm und an der Oberseite 0,4 cm. Denkbar wäre, dass es sich hierbei um einen misslungener Versuch handelt.

Von seiner Form her ist der Spinnwirtel halbkugelig. Er hat einen Durchmesser von 3,6 cm und ist an der höchsten Stelle 1,8 cm hoch.


Spinnwirtel aus Ton (rund)

Der Spinnwirtel ist an der Oberfläche grau-blau und im Kern grau. Der Ton ist teils mit weißen Partikeln (Quarzsand?) und mit kleinen schwarzen Partikeln gemagert und wurde mittelhart gebrannt.

Von seiner Form her ist der Spinnwirtel rund. Er hat einen Durchmesser von 3,5 cm und eine Höhe von 1,9 cm.


Spinnwirtel aus Ton (kegelförmig)

Der nicht komplett erhaltene Spinnwirtel ist an der Oberfläche und im Kern grau. Der Ton ist teils mit weißen Partikeln (Quarzsand?) gemagert und mittelhart gebrannt.

Von seiner Form her ist der Spinnwirtel kegelförmig. Er hat einen Durchmesser von 2,5 cm und ist 2,0 cm hoch.


Spinnwirtel aus Ton (doppelkonisch)

Der Spinnwirtel ist an der Oberfläche dunkelgrau und relativ gut geglättet. Er ist mittelhart gebrannt.

Von seiner Form her ist der Spinnwirtel asymetrich doppelkonisch. Ober- und Unterseite sind nicht gekehlt sondern flach.  Er hat an der breitesten Stelle einen Durchmesser von 2,5 cm und ist 1,5 cm hoch.

 

Literaturhinweise:

Die nachfolgenden Publikationen sind im Intenet als PDF abrufbar:

Karina Grömer, 2006: Vom Spinnen und Weben, Flechten und Zwirnen. Hinweise zur neolithischen Textiltechnik an Österreichischen Fundstellen. Archäologie Österreichs 17/2, 2006

W. Haio Zimmermann, 1982: Archäologische Befunde frühmittelalterlicher Webhäuser. Jahrbuch der Männer vom Morgenstern 61, 111-144, Bremerhaven, 1982

 

Wikipedia goes GLAM – KulTour im Prätorium Köln

Am 03. Dezember fand im Prätorium in Köln der Auftakt zu einer Reihe von Einzelveranstaltungen des Projekts Wikipedia:GLAM/Kölner Rathausplatz statt. Dirk Herdemerten (ARCHBAU Rheinland-Süd)  – der auch daran teilnahm – brachte mich auf die Idee, das es etwas für mich sein könnte. Und so machte ich mich auf nach Köln!

Vor dem Prätorium war kurz vor dem Start der Führung bereits eine nette Truppe von  Wikipedianer_innen versammelt. Geführt wurden wir von  Dr. Thomas Otten, dem  Projektleiter des Museumskonzepts. Er brachte uns im Rahmen der fast 3stündigen exklusiven Backstage-Führung auf den aktuellsten Stand des Projekts. Unterstützt wurde er dabei von Dr. Tanja Potthoff (Wissenschaftliche Referentin Archäologie) sowie Dr. Christiane Twiehaus (Leitung Abteilung Jüdische Geschichte).

dsc02453
Mauerreste des römischen Statthalterpalastes (Praetorium) – Foto: Biggi Schroeder

So erfuhren wir von Herrn Dr. Otten, dass der Museumsneubau „MIQUA – Archäologisches Quartier und Jüdisches Museum“ heißen wird. Der Name MIQUA verbindet quasi die Location des neuen Museums, welches sich „Mitten im Quartier“ befindet, mit einem der wichtigsten Bestandteile des Konzepts, der Mikwe, einem jüdischen Ritualbad.

Das neue Konzept setze durchaus auf multimediale Effekte, so Otten, aber diese sollen keinesfalls in übertriebenem Maße zu Einsatz kommen. Vielmehr schaut man sich derzeit um was es an Möglichkeiten gibt. Man plant jedenfalls die Effekte wohldosiert einzusetzen, und zwar dort wo es auch Sinn macht.

Für mich persönlich ist das geplante Ausstellungskonzept hinsichtlich des in den Grabungen  geborgenen Fundmaterials sehr durchdacht. Die Funde sollen mit dem Fundort und dessen Geschichte verortet bleiben – so werden sie nicht aus dem Kontext gerissen. Daher soll es auch keine Ankäufe von potenziellen Ausstellungsstücken geben. Vielmehr setzt man daruf, die Alltagsdinge an dem Ort auszustellen, wo sie gefunden wurden.  Die gesamte Ausstellungsfläche wird übrigens ca. 1600 m² Ausstellungsfläche betragen. Das ist eine ganze Menge, wie ich finde.

Einen guten Gesamtüberblick bietet übrigens die Webseite „Archäologische Zone – Jüdisches Museum“

Abschluss im Lokal K

Am Abend gab es dann im Lokal K ab 18:30 Uhr noch eine Wikipedia-Weihnachtsfeier mit dem wohl seit Jahren stattfindenden traditionellen Bücherwichteln. Alles in allem eine tolle Sache und ein fantastischer Ausklang eines gelungenen Tages 🙂

dsc02463
Das Buffet im Lokal K war reich gedeckt. (Foto: Biggi Schroeder)

Mitmachen bei Wikipedia – Das kannst auch du!

Als Wikipedia-Neuling (ein sogenanntes Wiki-Greenhorn) erhoffte ich mir von der  Veranstaltung natürlich auch Tipps für meine Mitarbeit an dem Projekt. Jedenfalls war es toll, mit den „alten Hasen“ unter den Wikipedia Autorinnen und Autoren ins Gespräch zu kommen.

DSC02465.JPG

Ich bin ein Wiki-Greenhorn 🙂